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16.08.2009
   dnt DigiMicro 1.3 - Das digitale Binokular
 

Viele Biologen interessieren sich auch für Tiere im nicht mehr detailreich sichbtaren Bereich. Ein Beispiel wären die hier in letzter Zeit öfter vorgestellten Ameisen.
Nicht jeder kann sich ein Binokular oder eine hochwertige Kamera mit Lupenobjektiv leisten. Für diese Nutzer werden an verschiedenen Quellen USB-Mikroskope angeboten. Hier gibt es jedoch erhebliche Preisunterschiede, da fragt man sich, wie groß die Qualitätsunterschiede ausfallen.
In diesem Artikel soll das folgende USB-Mikroskop der Mittelklasse beschrieben und getestet werden:

dnt DigiMicro 1.3

In diversen Testberichten wird dieses Gerät angepriesen als unentbehrlich für Juweliere und an Juwelen interessierten Personen, da man mit diesem Gerät kleinste Einschlüsse entdecken könnte. Aufgrund dieser Darstellung zweifelte ich an der Tiefenschärfe und dem Umgang mit beweglichen Objekten. Die bewegten Videos von Asseln und Hundertfüsslern in diesem Videoartikel jedoch überzeugte mich nach längerem Überlegen das Gerät anzuschaffen.

Wie schon andernorts berichtet, ist das Gerät gut verpackt, das Gerät selber hat eine Schutzkappe, die man bei Nichtverwendung zum Schutz der Linse immer draufmachen sollte. Die CD und das "Handbuch" sind auf den ersten Blick überflüssig, jedoch erfährt man erst durch einen kleinen, beigelegten Zettel, dass das Mikroskop zwei Schärfebereiche aufweist. Wenn das Objekt, ausgehend von einem scharfen Bild durch das Drehen des Schärfereglers unscharf wird, nicht aufhören, ihn zu drehen, denn später wird es dann wieder scharf und um ca. 10 mal so stark vergrößert.

Der Ständer des ca. 11 cm langen und 3 cm dicken Gerätes ist sehr beweglich, so lässt sich das Gerät leicht in die oft benötigte Senkrechte bringen. Jedoch ist das Stativ nicht besonders schwer und fällt bei extremen Positionen leicht um, eine nachträgliche Beschwerung des Stativs mit Gewichten (z.B. Bleigewichte für Gardinen, erhältlich in vielen Baumärkten) ist anzuraten. Das Schärfestellrad ist im Vergleich zur Stabilität schwer zu bewegen, das Gerät muss während der Scharfstellung festgehalten werden und kann erst danach auf dem Stativ selbstständig dem Objekt aufstehen. Eine Scharfstellung während einer Videoaufnahme ist zu vermeiden, da das Bild dann stark wackelt. Es gibt keine automatische Scharfstellfunktion, alles muss manuell eingestellt werden.

In der mitgelieferten Software „MicroCapture“ kann man neben den Grundfunktionen die Auflösung des Geräts einstellen (von 160x120 bis 1600x1200). Mit zunehmender Auflösung verlangsamt sich das Bild, was es schwierig macht, schnelle Bewegungsabläufe zu fotografieren. Die angepriesene Zoomfunktion in der Software lässt sich nur in Bildgrößen unterhalb 1024x768 anwenden (bis zu eben diesem Niveau) und die Videoaufnahme kann ausschließlich in diesem Format ablaufen. Aus diesen Gründen würde ich die Auflösung von 1024x768 als nativ betrachten, jedoch auch als ausreichend.
Darüber hinaus bietet die Software die Möglichkeit, die im Gerät enthaltenen LED’s zur Beleuchtung des zu betrachtenden Objektes an- und auszuschalten. Die LED’s erzeugen auf Glas oder Plastik vor allem bei kleinen Vergrößerungen starke Spiegelungen, sie sollten also bei der Betrachtung von Tieren durch Scheiben o.ä. ausgeschaltet bleiben. Dann sollte man, um ein flüssiges Bild zu erhalten, in einer hellen Umgebung mit dem Objekt arbeiten oder mit einer Taschenlampe seitlich ausleuchten. Ist das Bild zu dunkel, so verlangsamt die Software auf Wunsch das Bild, um es heller zu bekommen. Leider ungeeignet für die Aufnahme flüssiger Bewegungen.

Beim Test betrachten wir erstmal die Fähigkeit des Gerätes, stillstehende tierische Objekte in der maximalen Vergrößerung scharf darzustellen. Dazu wurden von der Gaster einer toten Aphaenogaster subterranea (oben) und einer Aphaenogaster dulcinae(unten) Fotos mit dem Gerät gemacht. Die Gaster eines Tieres ist zwischen 300 und 500 µm lang. Der praktische Zweck dieses Tests ist die Bestimmung der Arten aufgrund morphologischer Merkmale.
Das Gerät vermag in diesem Test ähnliche Leistungen zu vollbringen wie ein Binokular, die verschiedenen Schärfeebenen können problemlos mit Hilfe des Stellrads durchgegangen werden.


Der nächste Test konzentriert sich auf die Fähigkeit des Gerätes, bewegte Bilder in beiden Größenbereichen darzustellen. Dazu wurde ein mit Temnothorax besiedeltes Objektträgernest verwendet, was einen guten Einblick erlaubt. Das Gerät vermag auch in diesem Bereich zu überzeugen, es liefert detailreiche, flüssige Bilder in beiden Schärfebereichen. Die mitgelieferte Software ist zur Aufnahme von Videos nur bedingt tauglich, da man bei der Videoaufnahme wenig manuell einstellen kann. Jedoch lässt sich problemlos ein hochqualitatives Videoprogramm wie z.B. VirtualDub zur Aufnahme verwenden. Die unten angehängten Videos sind im Original deutlich detailreicher, die leichte Unschärfe erfolgt ausschließlich aus Kompressionsgründen (Originalvideo 200 MB, hier dargestellte Version 3 MB). Das zweite Video hätte schärfer sein können, dafür hätte das Tier aber näher am Objektiv sein müssen, der Abstand zwischen vorderem Ende des Geräts und Ameise beträgt ca. 1,5 mm (die Ameise befand sich wenig unterhalb des Objektträgers, das Gerät wurde auf das Objektträgernest direkt aufgesetzt).



Video 1 (Erste Zoomstufe)

Video 2 (Zweite Zoomstufe)

Video 3 (Zusatz: Königin neben Brut)

Video 4 (Zusatz: Arbeiterin trennt Drosophila-Kopf ab und trägt ihn ein)



Letztendlich bleibt zu schlussfolgern, dass das Gerät absolut geeignet ist, um die Morphologie und das Verhalten von kleinen Tieren zu studieren. Will man das Verhalten mit Hilfe diesen Geräts protokollieren, sollte man jedoch auf die richtigen Rahmenbedingungen achten. Die wichtigste Rahmenbedingung ist der möglichst kurze Abstand zwischen Tier und vorderem Ende des USB-Mikroskopes, dann sind auch großformatige Aufnahmen möglich.

Im Vergleich zu dem Gerät ein Ausschnitt eines Bildes der maximal möglichen Vergrößerung ohne Zwischenring einer Olympus-DSRL mit dem Zuiko Digital 2.0/50 mm 1:2 Makro: