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08.06.2015
   Wenn Bienen pessimistisch werden
 

Insekten sind keineswegs emotionslos, sie lassen sich genau wie wir auch von ihren Gefühlen leiten. Das hat die britische Biologin Melissa Bateson laut der Zeitschrift „Current Biology“ kürzlich bei Bienen festgestellt. Um zu diesen Ergebnissen zu kommen, führte sie ein mehrstufiges Experiment durch. Im ersten Teil dieses Versuches wurden Bienen über mehrere Trainingssitzungen mit dem Geruch zweier Blütenduftstoffe – nämlich unterschiedlichen Mischungen von Octanon oder Hexanol - konfrontiert. Eine Mischung aus 9 Teilen des ersten Stoffes und einem Teil der zweiten Substanz (9:1) sollte eine zuckerreiche Pflanze simulieren, während die umgekehrten Mengenanteile (1:9) eine wenig ergiebige Blume darstellen sollten. Streckten die Bienen als Antwort auf den Geruch ihren Saugrüssel aus, erhielten sie entsprechend Lösungen mit viel oder wenig Zucker zum Trinken. So lernten sie, dass es sich eher lohnt, den Saugrüssel bei dem ersteren Geruch auszustrecken; der andere Blütengeruch wurde seltener – aber immer noch oft genug – mit dem Ausfahren des Rüssels beantwortet. Nachdem die Bienen diesen Unterricht erfolgreich abgeschlossen hatten, wurden sie in zwei verschiedene Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe wurde in einem kleinen Behälter heftig geschüttelt um den Angriff eines Raubtieres zu simulieren, die zweite Gruppe blieb unangetastet. Bekamen die Bienen anschließend den Geruch der zuckerreichen Blume zu riechen, gab es keinen Unterschied zwischen den durchgeschüttelten und den in Ruhe gelassenen Bienen; beide fuhren bereitwillig den Saugrüssel aus. Hingegen schenkten die durchgeschüttelten Tiere dem Geruch der wenig ergiebigen Blüte kaum noch Beachtung – im Gegensatz zu der ungestörten Gruppe. Auch neue – nicht eindeutige - Gerüche, die sich aus anderen Geruchsstoffverhältnissen wie 7:3 ergaben, wurden nicht beachtet. Weiterhin waren die Hormone Dopamin oder Serotonin, welche Menschen optimistisch und lebenslustig machen, bei den durchgeschüttelten Bienen in deutlich geringeren Mengen als bei den ungestörten Bienen vorhanden. Diese Ergebnisse deuten an, dass
die Bienen pessimistischer wurden und unterstützen die Theorie, dass auch Insekten Gefühle haben. Vielleicht sollten wir daher Insekten gegenüber auch ein wenig umsichtiger zur Sache gehen; störendes „Ungeziefer“ kann man auch mit Hilfe eines Trinkglases einfangen und in die Natur entlassen.


Foto: © Jon Sullivan/PD photo.org

 
Quelle: doi: 10.1016/j.cub.2011.05.017