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07.03.2008 
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Forum-Umstellung |
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Hi @ll!
Aufgrund von Sicherheitslücken des alten Forums haben wir uns für die Umstellung auf ein neues Forum entschieden.
Das neue Forum ist nun viel sicherer und stabiler. Auch das Forumsdesign ist nun etwas lebhafter als zuvor, ich hoffe, dass es alle anspricht.
Die Benutzer und Beiträge vom alten Forum wurden lückenlos ins neue übernommen, ihr könnt es genauso weiterbenutzen wie das alte und braucht euch nicht neu anmelden.
Neuanmeldungen im Forum sind natürlich immer gerne gesehen und ich würde mich über einige neue Diskussionen dort freuen.
Der Forumsticker links wird demnächst noch auf das neue Forum umgestellt, also keine Sorge, falls die Links momentan nicht funktionieren.
8.3.08 : Der Forumsticker funktioniert nun wieder. |
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27.01.2008 
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Fürsorgliche Eltern ziehen lieber Söhne auf |
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 1973 fanden Trievers & Willard heraus, dass sich der Fortpflanzungserfolg von Männchen aller Tiere vom elterlichen Investment in ihrer Jugend abhängt.
Eltern, die es sich leisten können, einen hohen Aufwand von Fürsorge und damit Investment zu betreiben, sollten, wie auf dem Graphen zu sehen ist, eher Söhne bekommen.
Im Gegensatz dazu sollten Eltern, die keine Möglichkeit von Fürsorge haben, eher Weibchen produzieren. Denn der Fortpflanzungserfolg von Weibchen wird nicht durch die elterliche Fürsorge beeinflusst.
Die Dominanz der Eltern in der Gruppe bildet somit auch eine wichtige Grundlage für den Fortpflanzungserfolg ihrer männlichen Nachkommen und wird aus diesem Grund angepasst:
Bei Rothirschen und Berberaffen haben Clutton-Brocket al. 1984 und Paul & Kuester 1990 die Relation der geborenen Geschlechter mit der Dominanz der Elterntiere verglichen und sind auf folgende Zahlen gekommen:
Zahl1:Zahl2 = Anzahl der Männchen : Anzahl der Weibchen
Rothirsche
Sozialrang niedrig 88,4:100
Sozialrang mittel 116,9:100
Sozialrang hoch 153,6:100
Berberaffen
Sozialrang niedrig 90,5:100
Sozialrang mittel 95,7:100
Sozialrang hoch 138,1:100
Mit diesen Experimenten wurde also eindeutig bewiesen, dass die relative Anzahl von geborenen Männchen bei Tieren mit hohem Sozialrang zunimmt. Und der Grund für diese Reproduktion ist wahrscheinlich die Möglichkeit des höheren elterlichen Investments bei dominanten, sozial starken Tieren.
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| Quelle: T.Bakker: Einführung in die Verhaltensökologie |
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28.11.2007 
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Glückliche Menschen haben weniger Sex |
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  Serotonin ist ein Hormon, das vom Hirnstamm gebildet wird (genauer gesagt in den serotonergen Zellgruppen des Hirnstamms, den Raphen Kernen).
Serotonin beeinflusst die Stimmung und Eigenwahrnehmung, es unterdrückt auch Schmerz. Drogen, Erfahrungen und Gene beeinflussen die Funktion des serotonergen Systems.
Zielzellen des serotonergen Systems haben Serotoninrezeptoren, mehr als 12 verschiedene wurden bisher entdeckt.
Serotonintransporter transporieren das Serotonin nach der Ausschüttung aus dem Blut zurück in die serotonerge Zelle. Es wurde bisher nur ein Serotonintransporter gefunden und dieser wird von nur einem Gen exprimiert.
Ein geringer Serotoninspiegel bedingt Depression, Selbstmord, hohe Kriminalität und Gewaltbereitschaft.
Je nach der Länge des Gens werden mehr Serotonintransporter hergestellt, je mehr von diesen vorhanden sind, desto ängstlicher und unglücklicher wird der Mensch. Umgekehrt wird ein Mensch mit einer geringen Anzahl von Serotonintransportern glücklich sein.
Iproniazid und Prozac verhindern die Rückaufnahme von Serotonin und verursachen dadurch Wohlbefinden. Als Antidepressiva werden beide Medikamente häufig angewendet, falls bei den Patienten Symptome wie Depressionen, allgemeine Ängstlichkeit, panische Anfälle und soziale Phobien auftreten.
Menschen mit der langen Form des Gens haben häufiger Sex, da Ängstlichkeit und Depression in der Regel mit einem gesteigerten Sexualtrieb gekoppelt sind. Darum schwächen Medikamente wie Prozac auch den Sexualtrieb.
Genen ist es egal, ob jemand glücklich oder unglücklich ist, sie wollen nur in der nächsten Generation vertreten sein und dies geht nur über Sex. Ein gen, das seinen Träger ängstlich, aber sexuell aktiv macht, hat eine höhere Vermehrungsrate als ein Gen, das seinen Träger glücklich aber sexuell wenig aktiv macht.
Auf langfristige Sicht lässt sich daraus schlussfolgern, dass die Gesellschaft immer mehr zu Depression und hoher sexueller Aktivität neigen wird.
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| Quelle: Bleckmann: Aufbau und Funktion des Wirbeltiergehirns |
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09.11.2007 
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Warum die Lachmöwe Eierschalen erst nach einer Stunde aus dem Nest entfernt |
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  Nikolaas "Niko" Tinbergen (1907 – 1988), ein sehr bekannter holländischer Ethologe (Verhaltensbiologe) machte die Entdeckung, dass Lachmöwen (Larus ridibundus) ihre Eierschalen mehr als eine Stunde nach dem Schlupf aus dem Nest entfernen.
Als erste Frage stellte sich, warum die Lachmöwen die Eierschalen überhaupt aus dem Nest entfernten. Als ersten Grund könnte einem vielleicht einfallen, dass die Eierschalen im Nest "unbequem" wären. Doch der Grund dafür ist viel fundamentalischer für die Erhaltung der Art.
In einem Experiment malte Tinbergen Hühnereier mit den Farben eines Lachmöwenei's an. Diese Farben sind sehr unauffällig in den Gebieten, in denen sie brüten. Daneben bot Tinbergen einige angemalte, aber aufgebrochene Eier an. Über mehrere Tage beobachtete er, wie häufig welche Eier von Räubern frequentiert wurden. Es stellte sich heraus, dass das knallweiße Innere eines Ei's eben dieses gegenüber Raubvögeln oder anderen Räubern viel deutlicher sichtbar macht und diese das Nest eher aufsuchen als das mit den nicht aufgebrochenen, besser getarnten Eiern.
Damit war nun bewiesen, dass die Eierschalen aus dem Nest entfernt werden müssen, damit Raubvögel dieses nicht finden und Eltern bzw. Küken angreift. Weiter stellt sich nun auch noch die Frage, warum die Eierschalen erst nach mehr als einer Stunde aus dem Nest entfernt wurden.
Die Antwort auf diese Frage gestaltete sich etwas schwieriger - und ist etwas unerwartet.
Benachbarte Lachmöwen stellen sich nicht selten als kannibalistisch dar. In Versuchen zeigte Tinbergen, dass frisch geschlüpfte Küken mit noch nassem Flaum sehr gerne von benachbarten Möwen gefressen werden, da sie leicht den Hals herunterrutschen. Im Gegenzug dazu wurden Küken mit trockenem Flaum nur sehr selten von anderen Möwen gefressen, da der Flaum ein leichtes Verschlucken verhindert.
Nun gilt es für die Möwen das Risiko zwischen Räuberangriff durch aufgebrochene Eierschalen und zwischen Kannibalen, die die Küken gerne fressen, solange die Federn noch nass sind, abzuwägen.
Es stellt sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit von Kannibalismus viel höher ist, da den benachbarten Möwen das Nest viel eher auffällt, als dass in derselben Zeit ein Raubvogel aufgrund der Eierschalen das Nest findet. Also wird der Mittelweg gegangen - die Lachmöweneltern warten, bis der Flaum des Kükens vollständig getrocknet ist (dauert ca. eine Stunde) und entfernen die Eierschalen erst dann aus dem Nest.
Eier-Foto: © Klaus Robin, KBR/HSW/waldwissen.net
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| Quelle: Krebs: An Introduction to Behavioural Ecology |
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11.10.2007 
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Die tierpsychologische Forschung |
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Jeder kennt rührende Tiergeschichten. Doch die konkrete Frage, inwieweit Trauerreaktionen, Depressionen, manische Hochstimmung oder gar Selbsttötungshandlungen bei Tieren vorkommen, ist wissenschaftlich nicht leicht zu beantworten.
Nachfolgend eine etwas ausführlichere Darstellung zu einem Thema, das zu gegebenem Anlass in der Allgemeinheit so manche Betroffenheit auslöst. Die Experten aber, insbesondere die tierpsychologisch arbeitenden Fachleute sind hier vorsichtiger, was die Interpretation entsprechender Verhaltensweisen anbelangt.
Einerseits erliegt man gerne der Versuchung, Tierverhalten als einfach strukturiert und gleichförmig abzutun. Andererseits interpretiert man - beeindruckt durch erstaunliche Parallelen im Verhalten von Mensch und Tier -, in manche tierliche Reaktionen mehr hinein, als von der Natur angelegt ist. Auch darf man nicht vergessen, dass man es in der Tierwelt mit Tausenden von Arten, dazu noch auf ganz verschiedenen Organisationsstufen zu tun hat.
Noch komplizierter wird die Situation dadurch, dass der Grad der Differenziertheit nicht parallel zur Organisationsstufe laufen muss. So haben beispielsweise die Beobachtungen von Prof. Dr. Konrad Lorenz an einer Vogelart, die ansonsten für nicht viel Aufsehen sorgt, nämlich der Graugans erstaunliche, fast schon menschlich anmutende Verhaltensweisen ergeben, die denen der höchsten Säugetiere kaum nachstehen.
Die tierpsychologische Forschung hat inzwischen große Fortschritte gemacht. Dies gilt vor allem für die thematischen Schwerpunkte: Angstverhalten, Aggressivität, soziale Auslöser und Rangordnung, räumliche Bindung, Fremdheit und Vertrautheit, Prägung und Fixierung, motorische Stereotypien (z. B. einförmige Bewegungsabläufe), Mutter-Kind-Beziehung, ja sogar Triebkonflikte, Triebstauungen, Homosexualität sowie die Fortdauer von kindlichen Triebhandlungen und von Regression (Rückschritt in infantile Verhaltensweisen). Doch die Erkenntnisse über depressive Zustände sind noch begrenzt.
Dies ist nachvollziehbar. Denn dort, wo solche Forschungen erst ihren Sinn bekommen, nämlich nicht bei domestizierten (gezähmten), sondern frei lebenden Wildtieren, sind solche differenzierten tierpsychologischen Untersuchungen ausgesprochen schwer zu realisieren. Außerdem leuchtet jedem ein, dass in der gefahrvollen Freiheit, wo stets Feinde drohen, jedes Tier ständig "voll da sein muss" und sich keine passiven Phasen der Zurückgezogenheit leisten kann, wie es der bekannte Schweizer Tierpsychologe und Zoodirektor Prof. Dr. H. Hediger einmal ausdrückte.
Selbst im Zoo sind ernstere depressive Zustände kaum zu registrieren, am ehesten noch nach Umsetzungen, d. h. nach erzwungenem Raumwechsel. Dabei kann mit vorübergehender Zurückgezogenheit und geringer Aktivität reagiert werden, bis die Raumvertrautheit wieder hergestellt ist. Darin aber ein depressives Verhalten zu sehen, halten die Tierpsychologen für zu gewagt.
Etwas anderes ist es offenbar mit Trauerreaktionen. Auch hier ist unser Wissen über das Trauerverhalten bei Tieren aber noch immer bruchstückhaft, da letztlich systematische Untersuchungen fehlen. Immerhin scheint auch im Tierreich der beim Menschen stärkste Belastungsfaktor, der Partnerverlust, zu vergleichbaren Folgen zu führen. Das ist jedoch von Tierart zu Tierart unterschiedlich. Auch sind nur wenige, und dann zumeist noch domestizierte Arten gründlich genug untersucht.
Verlieren monogam, d. h. nur an einen einzigen gebundenen Tiere ihren Partner, so suchen sie lange Zeit nach ihm und stoßen unentwegt Lockrufe aus. Schließlich folgt eine Phase der "apathischen Depression": Die Tiere bewegen sich nur noch langsam oder überhaupt nicht mehr. Manche liegen da wie tot, erklärte die ehemalige Zoodirektorin und Tierpsychologin Prof. Dr. Monika Meyer-Holzapfel.
Auch über das Trauerverhalten wildlebender Elefanten liegen zahlreiche Berichte vor, wonach sich ganze Herden um ein sterbendes Tier sammeln. Nicht selten wird der Tote mit Erde und Zweigen bedeckt. (Allerdings gilt dies überwiegend für Jungtiere und weibliche Herdenangehörige. Elefantenbullen werden nach der Geschlechtsreife von der Herde abgedrängt und nur während der Paarungszeit und auf der Wanderung in der Gemeinschaft geduldet. Sie sterben dann auch meistens allein.)
Die ernsteste seelische, psychosoziale und sogar körperliche Beeinträchtigung in einem Tierleben ist der frühe Mutterverlust: Dies betrifft nicht nur die uns näherstehenden Säugetiere (z. B. Affen), sondern sogar Vögel. Ein eindrucksvolles Beispiel ist das seit Jahrzehnten von Konrad Lorenz sorgfältig beobachtete Verhalten der Graugans, die sich allerdings in dieser Hinsicht auch als besonders ergiebiges Forschungsobjekt erwiesen hat.
Wenn man ein einzelnes Gänseküken isoliert von seinen Artgenossen großzieht, so beobachtet man an einem solchen Unglückswesen eine Reihe von kennzeichnenden Störungen des Verhaltens zur Umwelt, die denjenigen ähneln, die man an hospitalisierten und eines ausreichenden sozialen Kontaktes beraubten Menschenkindern festgestellt hat (Fachausdruck: anaklitische Depression - siehe unten). Ein solches Wesen verliert nicht nur die Fähigkeit, sich aktiv mit den Reiz-Situationen seiner Umwelt auseinander zusetzen, sondern trachtet auch danach, sich allen Außenreizen nach Möglichkeit zu entziehen. Gänse, die man in dieser Weise seelisch verkrüppeln lässt, setzen sich so, dass sie mit dem Schnabel in einen Winkel des Zimmers schauen. Sind sie zu zweit, blickt jeder - vom anderen abgekehrt - stumm in eine Ecke.
Hier ist die Analogie zwischen der früher in den Findelanstalten wütenden anaklitischen Depression von Waisenhauskindern und dem Verhalten dieser Versuchstiere geradezu erschütternd. Immerhin ist eine derart seelisch geschädigte Gans wieder heilbar, wenn auch die seelische Wiederherstellung Jahre in Anspruch nehmen kann.
Ähnliche Studienergebnisse ergaben sich für junge Rhesusaffen, die ein ausgeprägtes Verhältnis zur Mutter hatten und über drei Wochen von ihr getrennt wurden. Auch hier zeigten manche von ihnen bestimmte Verhaltensstörungen, die der Beschreibung der anaklitischen Depression sehr ähneln: zuerst trotzig-verzweifelter Protest und Erregungszustände sofort nach der Trennung, nach einigen Tagen wachsende Zurückgezogenheit, reduzierte Lautbildung, Nahrungs- und Wasserverweigerung, schließlich Isolationsneigung und apathisch-depressives Verhalten, das sogar zum Tode führen kann.
Inzwischen weiß man, dass nicht jede Trennung von der Mutter zu solchen Reaktionen führen muss. Manche Rhesusaffen werden bei jeder Trennung "depressiv", andere trotz ähnlichem Hintergrund nie. Erstaunlicherweise kann man die einen von den anderen nicht unterscheiden, solange sie in stabiler, stressfreier Umwelt leben. In Stress-Situationen werden solche verletzlichen (Fachausdruck: vulnerablen) Opfer offenbar schneller erkannt. Diese Schwäche kann schon in jungen Jahren zum Ausdruck kommen (sogar im ersten Monat), oder auch erst später.
Dies erinnert wieder an die alte Erkenntnis, dass beim "Menschenkind" der frühe Verlust der Mutter (in manchen Untersuchungen auch des Vaters) bis etwa zum Beginn der Pubertät zwar nicht als charakteristische, zumindest aber nicht seltene Vorbedingung für den späteren Ausbruch eines depressiven Zustands genannt wird. Auch hier ist man der Meinung, dass zu dieser frühen seelischen und psycho-sozialen Verwundung in späteren Jahren ein "Zusatzstress" kommen muss, um das depressive Krankheitsbild auszulösen.
Auf jeden Fall können - wie beim Menschen auch - derart geschädigte junge Rhesusaffen durch entsprechende Zuwendung wieder einigermaßen stabilisiert werden. Sogar Antidepressiva, also stimmungsaufhellende Psychopharmaka können dabei hilfreich sein.
Ähnlich bedeutungsvoll ist der Partnerverlust. Wenn nach Konrad Lorenz einer Graugans der Partner genommen ist, wird sie zu einem "pathologischen Zerrbild ihrer selbst". Offenbar gelten auch hier vergleichbare Regeln wie beim Menschen:
Je länger ein Graugans-Paar glücklich verheiratet war, desto schwerer fällt es dem Überlebenden, nach Verlust des Gatten eine neue Bindung einzugehen. Dabei scheinen die Weibchen ausgeprägter betroffen als die Männchen. So wird von verwitweten Gänsen berichtet, die lebenslang völlig einsam und geschlechtlich inaktiv blieben. Von (männlichen) Gantern soll man derlei kaum beobachtet haben.
Als erste Reaktion versucht die Graugans den verschwundenen Partner mit aller Macht wiederzufinden. Sie ruft Tag und Nacht den dreisilbigen Distanzruf, läuft aufgeregt im gewohnten Gebiet umher, besonders an den Lieblingsplätzen des Vermissten, dehnt ihre Suchexkursionen immer mehr aus und fliegt immer größere Gelände ab. Jede Kampfbereitschaft ist mit dem Verlust des Partners erloschen. Die vereinsamte Gans wehrt sich nicht mehr gegen die Angriffe ihrer Artgenossen, flieht vor den Schwächsten und Jüngsten und sinkt, da sich ihr Zustand in der Kolonie rasch "herumspricht", sofort auf die tiefste Stufe der Rangordnung ab. Die Schwelle aller fluchtauslösenden Reize ist erheblich herabgesetzt. Der Vogel zeigt sich jetzt nicht nur den Artgenossen gegenüber völlig "feige", er erschrickt auch über alle von der Außenwelt kommenden Reize mehr als sonst. (Dem Menschen gegenüber bisher zahme Gänse können dabei völlig scheu werden. Doch gibt es auch Berichte, dass sich derart vereinsamte Vögel erneut eng an ihren Pfleger anschlossen, obgleich sie ihm zuvor keinerlei Beachtung mehr zollten.)
Bekannt ist auch das "depressive" oder übellaunige Wesen von Menschenaffen nach der Trennung von ihrem Partner oder von befreundeten Artgenossen, das stark an menschliche Reaktionen erinnert. Dabei sind allerdings auch die ausgeprägten sozialen Bindungen dieser hochstehenden Säugetiere zu berücksichtigen, die in der alten Erkenntnis gipfeln: "Ein Schimpanse allein ist überhaupt kein Schimpanse". Auf jeden Fall wehren sich die so Betroffenen mit Schreien und Wutausbrüchen und versuchen verzweifelt, zu ihrem Partner zurückzukehren. Dabei können alle Körperfunktionen durcheinander geraten. Nach und nach folgt eine Phase der "Depression" und des gestörten, nicht voraussagbaren Verhaltens wie Rückzug, Isolationsneigung, psychomotorische (seelisch-körperliche) Unruhe, Zurückweisung von Artgenossen bis hin zu aggressiven Durchbrüchen usw. In Modellversuchen kommen dazu noch Leistungsdefizite bei Aufgaben, die später erlernt wurden bzw. die stimmungsabhängig sind sowie ein Rückgang der Spontaneität und Aktivität. Möglicherweise scheinen diese Symptome auf stimmungsaufhellende Antidepressiva und sogar Elektroschockbehandlung (EKT) anzusprechen.
Eine ähnliche Reaktionsweise zeigt auch der sibirische Zwerghamster nach Partnertrennung. Dessen "depressives Syndrom" äußert sich neben psychomotorischer Hemmung und Isolationsneigung vor allem in Übergewicht ("Kummerspeck"?). Auch hier sollen im Laborversuch Antidepressiva nützlich sein.
Bekannt und von Literatur und Medien reichlich ausgeschlachtet ist das verzweifelte Such- und Trauerverhalten von Hunden, die "Herrchen" oder "Frauchen" verloren haben. Von Art und Ausmaß dieser Reaktion her erinnert diese Reaktion in der Tat mitunter an eine schwere reaktive Depression. Sie kann agitiert (unruhig, nervös, gespannt) sein, wobei die Tiere niemandem mehr gehorchen oder gar wild werden. Es kann aber auch zur psychomotorischen Hemmung kommen bis hin zur Apathie (Gefühllosigkeit, Teilnahmslosigkeit).
Fast schon klassisch ist die (in Einzelfällen als tödlich geschilderte) Verweigerung von Nahrung. Auch lassen sich die Tiere in der Regel nicht durch andere Menschen "trösten".
Handelt es sich nicht um den Tod, sondern lediglich um eine (längere) Abwesenheit von "Herrchen" oder "Frauchen", sind die Hunde manchmal zunächst unfähig, auf die Rückkehr adäquat zu reagieren. Sie scheinen ihn/sie nicht wiederzuerkennen. Der erlebte Schock des Verlassenseins sitzt ihnen noch in den Gliedern. Auch hier liegen eindrucksvolle Parallelen zu Kindern vor, deren Mutter nach längerer Abwesenheit zurückkehrt.
Wenn auch die Reaktion von Hunden emotional bewegt, so darf man doch nicht vergessen, dass es sich hier um domestizierte Tiere und vor allem um einen gefühlsmäßig an den Menschen besonders eng gebundenen tierischen "Partner" handelt.
Gibt es relativ wenige fundierte Erkenntnisse über depressive Zustände beim Tier, so lässt sich in Bezug auf die krankhafte Hochstimmung, die Manie, verständlicherweise noch weniger finden. Im Analogieschluss zum manischen Syndrom des Menschen (Einzelheiten siehe das ausführliche Kapitel über die Manie) wären solche Tiere in freier Wildbahn genauso gefährdet wie durch eine Depression. Ihr umtriebiges, krankhaft neugieriges und damit unvorsichtiges, sexuell unkontrolliertes usw. Verhalten müsste sie rasch in kritische, ja lebensbedrohliche Situationen bringen.
Ein aus (einseitig) menschlicher Sicht maniformes Verhalten (also eine zwar krankhafte, aber wenigstens leichtere Hochstimmung), das aber ganz natürliche Ursachen hat, lässt sich beispielsweise bei bestimmten Wildtieren feststellen. Die zeigen nämlich nach einer belastenden Trockenperiode während der heißersehnten Regengüsse plötzlich überschäumende Lebensfreude - allerdings auch erst, nachdem der Witterungsumschwung anfangs reaktionslos, fast unverändert stumpf-apathisch hingenommen wurde.
Die Reaktion dieser Tiere wirkt zwar manchmal überzogen, ist aber genauso wenig krankhaft wie das bisweilen sonderbar anmutende Liebeswerben, das vor allem wieder Konrad Lorenz für die Graugans treffend schildert: ... jede Bewegung wird mit übertriebenem Kraftaufwand vollführt, das Auffliegen, das sonst einen schwierigen "Entschluss" bedeutet, fällt dem Verliebten so leicht, als wäre er ein Kolibri, er fliegt kleinste Strecken, die jede vernünftige Gans zu Fuß gehen würde und fällt rauschend und mit Triumphgeschrei bei der Angebeteten ein. Im Bremsen und Beschleunigen gefällt sich der Ganter genauso wie ein Halbstarker auf dem Motorrad und auch im Suchen von Händeln verhält er sich ... sehr ähnlich wie ein solcher."
Dass ein (vor allem endogen) Depressiver äußerlich regelrecht "verfallen" kann, ist jedem Angehörigen und Arzt bekannt. Dass dies bei Tieren ähnliche Auswirkungen zu haben vermag, ist dagegen überraschend. Und dies nicht nur bei den uns ähnlichen Primaten (Menschenaffen), sondern sogar bei der Graugans, die allerdings in der Verhaltenspsychologie eine besondere Rolle einnimmt. Dazu wieder Konrad Lorenz:
"Genau wie das menschliche Antlitz, vor allem die Umgebung der Augen, bei längerem Bestehen der depressiven Zustände "vom Schicksal" mit dauernden Runen gezeichnet wird, so geschieht das auch beim Gesicht einer Graugans.
Hier wie dort ist es besonders die untere Umrandung der Augen, die durch eine lang anhaltende Senkung des Sympathikotonus (Muskelspannung durch entsprechende Nerven-Aktivität) eine Veränderung erfährt, die wesentlich für den Ausdruck der "Vergrämtheit" ist." Und Lorenz schildert den Besuch eines Kollegen, der nichts von der Vorgeschichte einer derart gezeichneten "depressiven" Graugans wusste und beim Spaziergang durch die Tier-Kolonie plötzlich auf diese zeigte und sagte: "Diese Gans muss besonders schweres durchgemacht haben!" Er hatte Recht, das Tier hatte seinen Partner verloren und alle oben geschilderten persönlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen durchlitten - einschließlich der sichtbaren Folgen.
Und umgekehrt berichtet Lorenz von verliebten Gantern, die natürlich nicht manisch sind, aber doch im äußeren Habitus das Gegenstück zur Trauer aufweisen: "Es ist mir passiert, dass ich einen wohlbekannten Ganter buchstäblich nicht wiedererkannte, als er von gestern auf heute "in Liebe gefallen" war. Der Muskeltonus ist erhöht, wodurch eine kraftvoll gespannte Haltung entsteht, die sämtliche Konturen des Vogels verändert ..."
Dazu jetzt der Sprung vom Tier zum Menschen: Welche betroffenen Angehörigen bzw. welcher Arzt in Klinik oder Praxis kennt nicht den erschütternden bzw. faszinierenden Unterschied in Mimik, Gestik, Sprache usw. beim Umschlagen von einer Depression in eine Manie bzw. umgekehrt.
Wenn es also Trauerreaktionen im Tierreich gibt, die mitunter schon an reaktive Depressionen oder depressive Entwicklungen erinnern, gibt es dann nicht auch selbstzerstörerisches Verhalten? Als häufiges Beispiel dient der Hund auf dem Grab seines Herrn, der dort verhungern müsste, wenn man ihn nicht mit Gewalt entfernen würde. Oder die Reaktion mancher Wildtiere in plötzlicher Gefangenschaft bzw. gar die "Massenselbstmorde" von Wal-Familien oder den berühmten Lemmingen.
Doch als erstes steht diesen Beispielen die Definition des Suizids, der Selbsttötung entgegen (siehe das entsprechende Kapitel). Suizidales Verhalten setzt die bewusste Vorstellung von Leben und Tod voraus. Dies wird allen Tieren abgesprochen, auch den sogenannten höheren Arten.
Zweitens ist der Suizid eine rein menschliche Verhaltensweise, die ein beabsichtigtes, freiwilliges Zerstören des eigenen Lebens bedeutet. Doch bei Tieren kann von höheren Funktionen und vom Durchdenken der Tat kaum die Rede sein. Auch können sich Tiere nur auf gewisse Weise verletzen, während dem Menschen eine breite Palette von Selbstvernichtungsmöglichkeiten zur Verfügung steht.
Trotzdem gibt es sogar in der Natur Tiere, die sich selbst schädigen, ja sogar töten. Zwar sind selbstzerstörerisches und suizidales Verhalten keine bedeutungsgleichen Begriffe, doch die Grenzen sind oft fließend. Auch spielen beim Menschen nicht nur psychosoziale (z. B. schicksalhafte), sondern auch hereditäre (erbliche) und/oder biochemische Faktoren eine Rolle, wie man inzwischen weiß. So ist der nicht seltene Suizidversuch oder Suizid eines Patienten, in dessen Verwandtenkreis schon einmal das Gleiche passiert ist, zwar einerseits psychologisch zu erklären ("Sogeffekt", "eingerissene Mauer"), was sich im Übrigen auch auf Freunde, Bekannte oder sogar Agenturmeldungen über Fremde erstreckt. Zum anderen scheint diese hereditäre Belastung aber auch partiell auf biochemischen Gemeinsamkeiten zu beruhen (z. B. veränderte Serotoninwerte), die gleichsam als Basis dieser erblichen Veranlagung fungieren. Dies wäre beispielsweise auch eine Erklärung für die ganz ungewöhnlich hohe Suizidrate der Ungarn, die auf diesem traurigen Gebiet weltweit und mit Abstand führen und die man zumindest für eine bestimmte Population als genetisch mitbestimmt vermutet.
Was die Selbstzerstörung (oder treffender: Selbstaufgabe) bei Tieren anbelangt, so finden sich in der Naturbeobachtung vor allem drei Verhaltensweisen, die einen Teil solcher Geschehnisse erklären können: 1. Altruismus, 2. Aussiedlungs-Instinkt und 3. Stress-Situationen. Im Einzelnen:
Altruismus oder selbstlose Aufopferung zum Wohl und Schutz der Gemeinschaft ist im Tierreich weit verbreitet. Das Ziel, eigenes Erbgut in die nächste Generation weiterzugeben ist u. U. dadurch besser zu erreichen, wenn die eigene Fortpflanzung zugunsten naher Verwandter mit zahlreichen gemeinsamen Genen zurückgestellt wird. Auf konsequente Weise praktizieren dies die staatenbildenden Insekten, bei denen die Fortpflanzung allein von der Königin und bestimmten fruchtbaren Männchen abhängt. Die große Mehrheit der Gemeinschaft, nämlich die unfruchtbaren Arbeiterinnen und die "Soldaten" übernehmen die Versorgung und territoriale Verteidigung, wobei Letzteres im Ernstfall eine "Suizidmission" werden kann.
Wachsoldaten gibt es auch bei hoch organisierten Gruppen von sozialen Säugetieren. Die Berggorillas wandern in kleinen Einheiten umher, geführt von einem dominierenden Alpha-Tier. Die untergeordneten Männchen ohne eigene Fortpflanzungschancen halten sich am Rande der Einheit auf und werden - wenn ein Raubtier oder eine andere Gruppe Gorillas angreift - während des Verteidigungskampfes oft verletzt oder gar getötet. Ähnliches gilt auch für andere Arten.
Eine Form des Altruismus, die ihrem Urheber das Leben kosten kann, stellt auch der Alarmruf vieler Vögel dar, die ihre Artgenossen so vor Feinden warnen. Da der Rufer damit vom Feind entdeckt wird, setzt er sich für die Gruppe besonderer Gefahr aus. Manche Vögel schlagen nicht nur Alarm, sondern fallen sogar todesmutig über ihre Feinde her (z. B. Amseln, Eichelhäher, Finkvögel wie Zaunkönig und Rotkehlchen und sogar Kolibris). Natürlich sind sie damit dem Gegenangriff besonders ausgesetzt und riskieren dadurch ihr Leben.
Bekannt und noch am ehesten nachvollziehbar ist das altruistische Verhalten vieler Muttertiere, sei es, dass sie ihr Futter mit anderen teilen, während des Stillvorganges hilflos sind und Raubtieren zum Opfer fallen oder gezielt eine eigene Invalidität (z. B. gebrochener Flügel) vortäuschen, um von den hilflosen Jungtieren wegzulocken, was auch mit dem eigenen Tod bezahlt.
Eine große Gefahr in der Tierwelt ist die Übervölkerung. Eine wachsende Bevölkerungsdichte innerhalb eines Gebiets mit beschränkten Möglichkeiten bezüglich Raum und Nahrung zwingt stets einen Teil, und zwar meist die Schwächeren, eine neue Heimat zu suchen. Beim Verlassen des (bisher meist optimalen) Territoriums setzen sie sich in dieser Form von "Suizidmission" vielerlei Gefahren aus, die in der Regel nur wenige überleben.
Dabei ist der "Massenselbstmord der Lemminge" nur ein Beispiel. Wie andere Säugearten auch, haben diese Wühlmäuse den unwiderstehlichen Trieb, den Ort der Überbevölkerung zu verlassen. Um dabei Zirkelbewegungen zu vermeiden, sind diese Emigranten-Züge strikt geradeaus orientiert und wandern blindlings in den sicheren Tod, wenn z.B. Flüsse und Seen vor ihnen liegen. Auch wenn es als (falsches) Beispiel mit am häufigsten zitiert wird, mit einem echten suizidalen Verhalten im herkömmlichen Sinne hat es am wenigsten zu tun.
Und auch beim Stranden von Wal-Familien, die selbst dann wieder aufs Ufer zusteuern, wenn sie zuvor mühsam freigeschleppt wurden, handelt es sich vermutlich - neben anderen Ursachen - um eine parasitäre Gehirnstörung, die ihren Richtungssinn zerstört.
Noch am ehesten mit suizidalen Impulsen zu vergleichen sind stressbedingte Störungen: Dazu gehören Haustiere, vor allem Hunde, die plötzlich ihren Herrn verloren haben und mit selbstzerstörerischen (Fachausdruck: autodestruktiven) Verhaltensweisen reagieren. Ähnliches gilt für Wildtiere, die man ihrer Freiheit beraubt hat und die sich rücksichtslos verletzen, die Nahrungsaufnahme verweigern und schließlich an häufig tödlichen Infektionen durch allgemeine Entkräftung zugrunde gehen.
Im Allgemeinen aber gilt die Regel: Länger andauernde psychische Störungen kann man beim Tier in freier Wildbahn nicht beobachten. Tiere mit solchen Störungen überleben nicht. Dies gilt nicht nur für die Welt der Feinde, sondern auch für die eigene Art. Wie bereits erwähnt, zeigen Affen, die früh von der Mutter getrennt wurden oder sonst wie isoliert aufwuchsen, Defizite bezüglich ihres sozialen Verhaltens generell bis hin zu konkreten Störungen. So setzen sie sich beispielsweise in Stress-Situationen unnötigen, mitunter tödlichen Gefahren aus, indem sie in geradezu selbstzerstörerischem Verhalten und ohne Grund die Leitmännchen der Gruppe angreifen. Im Experiment können solche autoaggressiven Reaktionen offenbar durch Antidepressiva abgeschwächt oder gar verhindert werden.
Die Tierpsychologie, die auch der Psychiatrie so manche Anregung vermitteln kann, steht in ihrem Forschungsbemühen um seelische Störungen, z. B. um das Trauerverhalten von Tieren noch am Anfang. Eine Verallgemeinerung bestimmter Verhaltensweisen, die uns wegen ihrer Ähnlichkeit besonders anrühren, ist jedoch gewagt, selbst bei Arten höherer Organisationsstufen.
Doch unabhängig von den strengen wissenschaftlichen Kriterien lässt sich mit Konrad Lorenz sagen: "Wir wissen nicht und wir können nicht wissen, was z. B. subjektiv in einer Gans vorgeht, die mit allen objektiven Symptomen menschlicher Trauer herumsteht. Aber wir können uns des Gefühls nicht erwehren, dass ihr Leiden dem unseren geschwisterlich verwandt ist."
Foto : © Gyross/aboutpixel.de
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| Quelle: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/ |
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Die Frucht, die nach faulen Eiern, Kot und Terpetin riecht |
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  Hierbei handelt es sich um die Durian, die stachlige Frucht des Zibetbaumes (Durio zibethinus)
Der Zibetbaum, ursprünglich in Indonesien und Malaysia beheimatet, wird inzwischen überall in Südostasien kultiviert. Man findet ihn in Thailand, auf den Philippinen und sogar in Queensland in Australien. Haupthandelszentrum für Durians ist Singapur.
Die Frucht ist etwa kopfgroß, von gelbgrüner Farbe und trägt etwa 1 cm lange Stacheln. Das Fruchtinnere ist in vier bis sechs Segmente geteilt, jedes Segment enthält wieder bis zu sechs Samen, die vom Fruchtfleisch (eigentlich Samenmantel) umhüllt sind. Frisch vom Baum ist die Frucht wohlriechend und -schmeckend (Geschmack und Konsistenz erinnern etwas an einen gehaltvollen, festeren Vanillepudding), sie entwickelt allerdings innerhalb von wenigen Tagen einen für die meisten Nichteinheimischen unerträglichen Geruch und Geschmack (faule Eier, Kot oder Terpentin). Wer nie die Gelegenheit hatte, eine frische Frucht zu probieren, kann daher kaum nachvollziehen, warum die Durian in Südostasien vielen als eine der größten Delikatessen gilt. Die Samenkerne können ebenfalls geröstet verzehrt werden.
Durians sind im übrigen auch die Lieblingsfrucht der Orang-Utans, werden jedoch auch von sehr vielen weiteren Tieren gerne gefressen. Dazu zählen auch Tiger und andere Katzen. Angeblich leitet sich sogar die botanische Bezeichnung Durio zibethinus davon ab, dass man mit verfaulenden Durianfrüchten Zibetkatzen köderte. Da die Frucht ja eigentlich der Weiterverbreitung der Samen dient und es sich um ein Gewächs der Tropen handelt, verströmen die reifen Früchte ihren spezifischen Geruch, um auch über große Distanzen gefunden zu werden.
Aufgrund der Geruchsbelästigung ist die Mitnahme von Durianfrüchten in Hotels oder Flugzeugen meist nicht gestattet. Setzt sich der Geruch erst einmal fest, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Deshalb ist es in Hotels üblich, bei Verstoß gegen das Durian-Verbot das Zimmer für eine weitere Woche zahlen zu müssen. In Singapur ist auch das Mitführen von Durians in der MRT (U-Bahn) untersagt, worauf entsprechende Schilder hinweisen; auf eine Strafe wird allerdings verzichtet.
Foto: © Regina Rau/regina-rau.de
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10.09.2007 
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Die Biberratte (Myocastor coypus) |
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Die Biberratte, auch Nutria genannt, erreicht eine Körperlänge von bis zu 65 cm und wiegt erwachsen zwischen acht und zehn Kilogramm. Ihr runder, schuppenbedeckter, kaum behaarter Schwanz hat zudem eine Länge von etwa 30 bis 45 Zentimeter. Die Tiere erreichen damit fast die selbe Körpergröße wie ein Biber. Männliche Biberratten werden generell etwas größer als die Weibchen. An den Hinterfüßen haben Biberratten jeweils zwischen den ersten 4 Zehen Schwimmhäute. Auffällig sind bei erwachsenen Tieren auch die kräftig orangen Nagezähne.
Die Fellfarbe der Biberratte ist rötlichbraun, an der Bauchseite leicht gräulich. Aus Pelztierzuchten entflohene Tiere zeigen daneben eine Reihe farblicher Varianten. Bei ihnen kommen hellgraue, dunkelgraue, schwarze, braune, rötliche, gelbliche oder fast weiße Fellfarben vor.
Die Zahnformel der Biberratte weicht zu der der meisten Nagetiere dadurch ab, dass die Biberratte neben den Molaren noch über jeweils einen Prämolar verfügt. Dies ist ein charakteristisches Merkmal der Meerschweinchenartigen (Cavioidea), für die folgende Formel gilt: I1 P1 M1 M2 M3
Die ursprüngliche Heimat der an Flüssen, Seen, Teichen und in Sümpfen lebenden Biberratte ist das subtropische und gemäßigte Südamerika. Dort kommt sie vom südlichen Brasilien bis nach Feuerland vor und stand im 19. Jahrhundert kurz vor der Ausrottung. Grundsätzlich leben die Tiere sehr standorttreu und verteidigen engagiert ihr Revier.
Die Biberratte gilt heute als in weiten Teilen Nordamerikas und Eurasiens eingebürgert.
Der Bestand in Eurasien ist auf ab dem 18. Jahrhundert aus Pelztierfarmen entflohene Tiere wie auch auf bewusste Auswilderungen zurückzuführen. Insbesondere nach dem Zusammenbruch des Pelzmarktes im 20. Jahrhundert entkamen zahlreiche Tiere und konnten sich aufgrund einer nicht mehr stattfindenden Bejagung stark vermehren.
In den USA wurden in den 1930er-Jahren die ersten Tiere nach Louisiana exportiert. Dort wurden sie wegen der Felle in Pelztierfarmen gehalten. Von dort aus haben wieder so genannte Gefangenschaftsflüchtlinge aufgrund der für Nutrias günstigen lokalen Klimas und ihrer hohen Vermehrungsrate sehr schnell eine nach Millionen zählende Population begründet. Auch gezielte Auswilderungen kamen vor.
Vereinzelte Vorkommen gibt es zudem in Kenia (am Naivashasee), Japan (südlich der Stadt Okayama) und West-Australien.
In Deutschland ist die Biberratte an etlichen Gewässern in allen Bundesländern zu finden. Größere und weitgehend beständige Populationen gibt es unter anderem an den Flüssen Niers, Schwalm und Cloer am Niederrhein und an der Spree im Osten Deutschlands, insbesondere im Spreewald. Meistens sind die Tiere, insbesondere in Parkanlagen, an den Besuch von Spaziergängern gewöhnt und lassen sich ohne viel Scheu mit Gemüse füttern (beispielsweise mit Äpfeln oder Möhren; Brot ist ungeeignet). Eine wirklich starke Verbreitung findet in Deutschland allerdings nicht statt, weil Mitteleuropa den verwilderten Farmtieren kein günstiges Klima bietet. Manche Populationen brechen daher nach wenigen Jahren wieder zusammen.
Biberratten sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, insbesondere dämmerungsaktiv. Sie sind fast reine Vegetarier und ernähren sich vorwiegend von Blättern, Stängeln, Wurzeln von Wasserpflanzen und Hackfrüchten. Seltener werden auch Schnecken, Würmer und Süßwassermuscheln gefressen.
Die Tiere leben entweder paarweise oder in Gemeinschaften von etwa 12 bis 15 Tieren. Diese umfassen dann in der Regel die Eltern und eigene Nachkommen. In ihrer Heimat sind sie zumeist sogar koloniebildend (= größere Gruppen). Sie leben monogam. Nach einer Tragzeit von 19 Wochen bringt das Weibchen 6 bis 8 recht weit entwickelte, sehende und voll behaarte Junge zur Welt, die nach 5 Monaten geschlechtsreif sind. Zwei bis drei Würfe pro Jahr sind möglich.
Als Bauten dienen selbstgegrabene Erdbaue im Uferbereich oder „Nester“ aus langblättrigen Pflanzen (Schilf) und dünneren Stöcken. Biberratten können über 10 Jahre alt werden.
Foto 1: © Timo Sack/wikipedia.de
Foto 2: © soebe/wikipedia.de
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22.08.2007 
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Die knotige Asselspinne |
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 Die Knotige Asselspinne (Pycnogonum littorale) ist eine Art aus der Klasse der Asselspinnen, die trotz ihrem Namen nicht zu den Spinnen gehören. Das merkwürdige, gelbe Tier lebt im Atlantik, man kann sie aber auch in heimischen Meeren finden (Nordsee).
An dem reduzierten, dicken und kräftigen Rumpf dieser merkwürdigen Spinne befinden sich acht genauso kräftige, knollige Beine und an dem Vorderende befindet sich ein Rüssel. Scherenfüße und Fühler, die man bei anderen Tieren öfter findet, fehlen bei dieser Art, der Rücken ist mit knotigen Auswüchsen gespickt. Das auffällig hellegelbe bis braune Tier wird zwei Zentimeter lang.
Auf Algen, Blumentieren, Moostierchen und Polypenstöcken, sowie auch auf Hartböden von der Gezeitenzone abwärts findet man diese Asselspinne. Sie lebt in Atlantik, Ärmelkanal und Nordsee.
Merkwürdigerweise sind große Anteile des Verdauungsapparats und der Eierstöcke beziehungsweise der Hoden in die Beine verlegt, wie es allerdings bei allen Asselspinnen ist. Das Tier ernährt sich besonders von Blumentieren und Moostierchen, die es mit seinem Rüssel aussaugt.
Foto: © Søren Tolsgaard/fugleognatur.dk |
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16.08.2007 
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Galläpfel - keine Früchte, sondern Wespen |
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 Der rundliche Gallapfel kommt an der Unterseite von Eichenblättern im Herbst vor. Er entsteht durch abgelegte befruchtete Eier der Eichengallwespe (Cynips quercusfolii).
Die Gemeine Eichengallwespe (Cynips quercusfolii) ist ein Vertreter der Familie der Gallwespen (Cynipidae). Die bis drei Millimeter große Wespe entwickelt sich wie die meisten Gallwesen an Eichen, wobei sie typische Gallen an der Unterseite der Eichenblätter bildet.
Die Gemeine Eichengallwespe kommt im Laufe des Jahres in zwei Generationen vor, wobei sich eine zweigeschlechtlich, die andere parthenogenetisch fortpflanzt. Dabei legt das Weibchen nach der Paarung im Sommer seine Eier in die Blätter der Eichen, an deren Unterseite sich die bekannten bis zu zwei Zentimeter langen Gallen bilden (Galläpfel).
Diese Gallen färben sich rot und sie enthalten in ihrem Innern die Larve, die sich im Herbst verpuppt. Im Winter schlüpft aus den Puppen eine ausschließlich aus Weibchen bestehende Generation, die ihre unbefruchteten Eier in die Spitzen von Blattknospen legen. Auch hier entsteht eine Galle, die jedoch nur zwei bis drei Millimeter groß wird und mit rötlichen Haaren besetzt ist. Aus dieser Galle schlüpfen im Mai bis Juni die Geschlechtstiere, die kleiner sind als die Tiere der Wintergeneration.
Früher wurden die Vertreter der beiden Generationen für unterschiedliche Arten gehalten (Cynips quercusfolii und Spathegaster taschenbergi).
Im Inneren des Gallapfels (auch Folii-Galle oder Blattgalle genannt) befindet sich eine Larve, aus der im Herbst dann das immer weibliche Insekt ausschlüpft, welches je ein unbefruchtetes Ei in den Vegetationskegel der Eichenknospe legt. Dieses überwintert dort und bildet ab dem Frühling Knospengallen (Taschenbergii-Gallen) aus denen dann im Juni sowohl Männchen als auch Weibchen der Eichengallwespe schlüpfen. Die befruchteten Weibchen legen dann wieder Eier mit Hilfe des Legestachels in eine Blattader des Eichenblattes ab. Durch eine Abwehrreaktion der Eiche entsteht um die Legestelle die krankhafte Wucherung, die aufgrund der Kugelförmigkeit Gallapfel genannt wird.
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23.07.2007 
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Die einzigsten nicht pflanzlichen Gurken - Seegurken |
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 Die Seegurken (Holothuroidea), auch Seewalzen oder Seethaler genannt, sind eine Klasse im Stamm der Stachelhäuter. Mit etwa 1200 Arten sind sie die formenreichste Gruppe der Stachelhäuter. In der Tiefsee besteht 90% der bodennahen Biomasse aus Seegurken.
Seegurken sind Meeresbewohner mit einem 1 mm (Meiofauna) bis 2 m langen walzenförmigem Körper. Die für die übrigen Stachelhäuter typische fünfstrahlige Radiärsymmetrie ist äußerlich nur noch an den fünf Reihen der Ambulacralfüßchen zu erkennen. Durch Anpassungen an das Bodenleben findet sich häufig eine sekundäre Bilateralsymmetrie. Der muskulöse, längliche Körper weist am Vorderende eine Mundöffnung auf, welche häufig von Tentakeln umgeben ist.
Im Gegensatz zu anderen Echinodermata besitzen Seegurken nur noch Skelettrudimente in Form von kleinen Kalzitnadeln (Sklerite). Statt eines Skeletts besitzen sie einen Hautmuskelschlauch aus Längs- und Ringmuskulatur, sowie einer dicken Schicht mutabilen Gewebes.
Das Blutgefäßsystem ist relativ hoch entwickelt. Es besteht aus einem oralen Ringgefäß, von dem fünf blind endende Radiärgefäße abzweigen. Am Darm führen ein dorsales und ein ventrales Gefäß entlang, die durch pulsierende Verbindungen (Herzen) miteinander in Verbindung stehen. Auch die von einigen Arten ausgebildete Wasserlunge wird netzartig von Gefäßen umsponnen.
Man kann eine Kriechsohle (Trivium) von einem Rücken (Bivium) unterscheiden. Das Trivium besteht aus drei Radien sowie zwei Interradien und ist durch eine hohe Anzahl an Ambulacralfüßchen gekennzeichnet. Das Bivium hingegen besteht aus zwei Radien und drei Interradien. Die Füßchen sind um- oder rückgebildet. Die Fortbewegung der Seewalzen erfolgt mittels der auf der Bauchseite zu findenden Ambulacralfüßchen.
Als weitere Besonderheiten besitzen Seegurken Wasserlungen, bei denen es sich um Ausstülpungen des Enddarms handelt. Im Mittelmeer sitzt in den Wasserlungen der Königsseegurke (Stichopus regalis) relativ häufig der Eingeweidefisch (Carapus acus), z.T. lebt er auch in den Wasserlungen von Holothuria-Arten. Bei südostasiatischen Holothuria-Arten findet sich regelmäßig ein transparenter Fisch, der den Wirt über den Anus verlassen kann.
Die bei wenigen Arten zu findenden sogenannten Cuvierschen Schläuche dagegen dienen der Verteidigung der Tiere und werden bei Gefahr in Richtung Angreifer gespritzt. Sie bilden klebrige Schleimfäden, welche den Feind verwirren und unter Umständen sogar kampfunfähig machen können. Die Klebstoffe können auch Gifte enthalten (Holothurine).
Bei den Seewalzen sind Sedimentfresser und Planktonfresser bekannt.
Bei den Sedimentfressern (darunter alle europäischen Arten) kriechen die adulten Tiere über den Boden des Meeres und nehmen dabei Sedimente mit organischen Bestandteilen wie Detritus, Algen und Sandlückenfauna auf. Die organischen Bestandteile werden verdaut und das unverdauliche mineralische Sediment wieder ausgeschieden. Man könnte diese Seewalzen als "Meeresstaubsauger" oder Sedimentsortierer bezeichnen.
Die planktonfressenden Seewalzen haben einen stark vergrößerten Tentakelkranz, mit dem sie Plankton aus dem Wasser fangen.
Die Seewalzen sind getrennt geschlechtlich und geben ihre Geschlechtsprodukte direkt ins Meerwasser ab. Innerhalb einer Bucht läuft dies meist synchron ab. Sie richten sich dazu mit dem Vorderende senkrecht auf und entlassen an der Spitze eine weißlich (Spermien) bis gelbliche (Eizellen) Flüssigkeit. Ihre bilateral-symmetrischen Larven leben planktonisch und werden als Auricularia bezeichnet.
Foto: © Michael Plewka/plingfactory.de |
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