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22.08.2007
   Die knotige Asselspinne
 


Die Knotige Asselspinne (Pycnogonum littorale) ist eine Art aus der Klasse der Asselspinnen, die trotz ihrem Namen nicht zu den Spinnen gehören. Das merkwürdige, gelbe Tier lebt im Atlantik, man kann sie aber auch in heimischen Meeren finden (Nordsee).

An dem reduzierten, dicken und kräftigen Rumpf dieser merkwürdigen Spinne befinden sich acht genauso kräftige, knollige Beine und an dem Vorderende befindet sich ein Rüssel. Scherenfüße und Fühler, die man bei anderen Tieren öfter findet, fehlen bei dieser Art, der Rücken ist mit knotigen Auswüchsen gespickt. Das auffällig hellegelbe bis braune Tier wird zwei Zentimeter lang.

Auf Algen, Blumentieren, Moostierchen und Polypenstöcken, sowie auch auf Hartböden von der Gezeitenzone abwärts findet man diese Asselspinne. Sie lebt in Atlantik, Ärmelkanal und Nordsee.

Merkwürdigerweise sind große Anteile des Verdauungsapparats und der Eierstöcke beziehungsweise der Hoden in die Beine verlegt, wie es allerdings bei allen Asselspinnen ist. Das Tier ernährt sich besonders von Blumentieren und Moostierchen, die es mit seinem Rüssel aussaugt.

Foto: © Søren Tolsgaard/fugleognatur.dk

 

16.08.2007
   Galläpfel - keine Früchte, sondern Wespen
 


Der rundliche Gallapfel kommt an der Unterseite von Eichenblättern im Herbst vor. Er entsteht durch abgelegte befruchtete Eier der Eichengallwespe (Cynips quercusfolii).

Die Gemeine Eichengallwespe (Cynips quercusfolii) ist ein Vertreter der Familie der Gallwespen (Cynipidae). Die bis drei Millimeter große Wespe entwickelt sich wie die meisten Gallwesen an Eichen, wobei sie typische Gallen an der Unterseite der Eichenblätter bildet.

Die Gemeine Eichengallwespe kommt im Laufe des Jahres in zwei Generationen vor, wobei sich eine zweigeschlechtlich, die andere parthenogenetisch fortpflanzt. Dabei legt das Weibchen nach der Paarung im Sommer seine Eier in die Blätter der Eichen, an deren Unterseite sich die bekannten bis zu zwei Zentimeter langen Gallen bilden (Galläpfel).
Diese Gallen färben sich rot und sie enthalten in ihrem Innern die Larve, die sich im Herbst verpuppt. Im Winter schlüpft aus den Puppen eine ausschließlich aus Weibchen bestehende Generation, die ihre unbefruchteten Eier in die Spitzen von Blattknospen legen. Auch hier entsteht eine Galle, die jedoch nur zwei bis drei Millimeter groß wird und mit rötlichen Haaren besetzt ist. Aus dieser Galle schlüpfen im Mai bis Juni die Geschlechtstiere, die kleiner sind als die Tiere der Wintergeneration.
Früher wurden die Vertreter der beiden Generationen für unterschiedliche Arten gehalten (Cynips quercusfolii und Spathegaster taschenbergi).

Im Inneren des Gallapfels (auch Folii-Galle oder Blattgalle genannt) befindet sich eine Larve, aus der im Herbst dann das immer weibliche Insekt ausschlüpft, welches je ein unbefruchtetes Ei in den Vegetationskegel der Eichenknospe legt. Dieses überwintert dort und bildet ab dem Frühling Knospengallen (Taschenbergii-Gallen) aus denen dann im Juni sowohl Männchen als auch Weibchen der Eichengallwespe schlüpfen. Die befruchteten Weibchen legen dann wieder Eier mit Hilfe des Legestachels in eine Blattader des Eichenblattes ab. Durch eine Abwehrreaktion der Eiche entsteht um die Legestelle die krankhafte Wucherung, die aufgrund der Kugelförmigkeit Gallapfel genannt wird.

 

23.07.2007
   Die einzigsten nicht pflanzlichen Gurken - Seegurken
 


Die Seegurken (Holothuroidea), auch Seewalzen oder Seethaler genannt, sind eine Klasse im Stamm der Stachelhäuter. Mit etwa 1200 Arten sind sie die formenreichste Gruppe der Stachelhäuter. In der Tiefsee besteht 90% der bodennahen Biomasse aus Seegurken.

Seegurken sind Meeresbewohner mit einem 1 mm (Meiofauna) bis 2 m langen walzenförmigem Körper. Die für die übrigen Stachelhäuter typische fünfstrahlige Radiärsymmetrie ist äußerlich nur noch an den fünf Reihen der Ambulacralfüßchen zu erkennen. Durch Anpassungen an das Bodenleben findet sich häufig eine sekundäre Bilateralsymmetrie. Der muskulöse, längliche Körper weist am Vorderende eine Mundöffnung auf, welche häufig von Tentakeln umgeben ist.

Im Gegensatz zu anderen Echinodermata besitzen Seegurken nur noch Skelettrudimente in Form von kleinen Kalzitnadeln (Sklerite). Statt eines Skeletts besitzen sie einen Hautmuskelschlauch aus Längs- und Ringmuskulatur, sowie einer dicken Schicht mutabilen Gewebes.

Das Blutgefäßsystem ist relativ hoch entwickelt. Es besteht aus einem oralen Ringgefäß, von dem fünf blind endende Radiärgefäße abzweigen. Am Darm führen ein dorsales und ein ventrales Gefäß entlang, die durch pulsierende Verbindungen (Herzen) miteinander in Verbindung stehen. Auch die von einigen Arten ausgebildete Wasserlunge wird netzartig von Gefäßen umsponnen.

Man kann eine Kriechsohle (Trivium) von einem Rücken (Bivium) unterscheiden. Das Trivium besteht aus drei Radien sowie zwei Interradien und ist durch eine hohe Anzahl an Ambulacralfüßchen gekennzeichnet. Das Bivium hingegen besteht aus zwei Radien und drei Interradien. Die Füßchen sind um- oder rückgebildet. Die Fortbewegung der Seewalzen erfolgt mittels der auf der Bauchseite zu findenden Ambulacralfüßchen.

Als weitere Besonderheiten besitzen Seegurken Wasserlungen, bei denen es sich um Ausstülpungen des Enddarms handelt. Im Mittelmeer sitzt in den Wasserlungen der Königsseegurke (Stichopus regalis) relativ häufig der Eingeweidefisch (Carapus acus), z.T. lebt er auch in den Wasserlungen von Holothuria-Arten. Bei südostasiatischen Holothuria-Arten findet sich regelmäßig ein transparenter Fisch, der den Wirt über den Anus verlassen kann.

Die bei wenigen Arten zu findenden sogenannten Cuvierschen Schläuche dagegen dienen der Verteidigung der Tiere und werden bei Gefahr in Richtung Angreifer gespritzt. Sie bilden klebrige Schleimfäden, welche den Feind verwirren und unter Umständen sogar kampfunfähig machen können. Die Klebstoffe können auch Gifte enthalten (Holothurine).

Bei den Seewalzen sind Sedimentfresser und Planktonfresser bekannt.

Bei den Sedimentfressern (darunter alle europäischen Arten) kriechen die adulten Tiere über den Boden des Meeres und nehmen dabei Sedimente mit organischen Bestandteilen wie Detritus, Algen und Sandlückenfauna auf. Die organischen Bestandteile werden verdaut und das unverdauliche mineralische Sediment wieder ausgeschieden. Man könnte diese Seewalzen als "Meeresstaubsauger" oder Sedimentsortierer bezeichnen.

Die planktonfressenden Seewalzen haben einen stark vergrößerten Tentakelkranz, mit dem sie Plankton aus dem Wasser fangen.

Die Seewalzen sind getrennt geschlechtlich und geben ihre Geschlechtsprodukte direkt ins Meerwasser ab. Innerhalb einer Bucht läuft dies meist synchron ab. Sie richten sich dazu mit dem Vorderende senkrecht auf und entlassen an der Spitze eine weißlich (Spermien) bis gelbliche (Eizellen) Flüssigkeit. Ihre bilateral-symmetrischen Larven leben planktonisch und werden als Auricularia bezeichnet.

Foto: © Michael Plewka/plingfactory.de

 

   Die Eichelwürmer - Enteropneusta
 


Die Eichelwürmer (Enteropneusta) bilden gemeinsam mit den Flügelkiemern (Pterobranchia) die Kiemenlochtiere (Hemichordata) innerhalb der Neumünder (Deuterostomia). Beide Gruppen zeichnen sich durch eine funktionelle Dreigliedrigkeit aus, die sich auch auf den Körperhohlraum, das Coelom, ausdehnt. Ein weiteres gemeinsames Merkmal der beiden ansonsten sehr unterschiedlichen Gruppen ist die Ausbildung eines Skelettstabs, der häufig als Vorstufe der Chorda bei den Chordaten angesehen wird. Ob es sich dabei wirklich um eine homologe Struktur handelt, ist allerdings zweifelhaft.

Bislang sind etwa 70 Arten der Eichelwürmer bekannt, die eine Körperlänge von wenigen Zentimetern bis hin zu Arten mit über 2 Metern erreichen können. Die längste Art ist der an der brasilianischen Küste vorkommende Eichelwurm Balanoglossus gigas mit einer Körperlänge bis zu 2,50 Metern. Eichelwürmer kommen weltweit an den Küsten und in den Meeren vor. So ist die etwa 3 cm lange Saccoglossus pygmaeus auch vor der Küste von Helgoland zu finden.

Die Eichelwürmer selbst zeichnen sich durch einen wurmförmigen Körper aus. Dieser besteht aus einem langgestreckten Hinterleib oder Rumpf (Metasoma), einer Kragenregion (Mesosoma) und einem eichelförmigen Vorderteil (Prosoma), das als muskulöser Bohrer im Boden dient und ihnen zu ihrem deutschen Namen verholfen hat. Hinter dem Kragen befinden sich Kiemenporen, ein äußeres Zeichen für den bei ihnen entwickelten Kiemendarm.

Die Mundöffnung der Eichelwürmer liegt im oberen Bereich des meist orangefarbenen Kragens und wird von der Eichel überragt. Diese besteht neben der äußeren Muskulatur und dem vorderen Coelomraum (Protocoel), auch aus einem herzähnlichen Blutraum. Stabilisiert wird die Eichel durch einen Skelettstab, der entsprechend als Eichelskelett bezeichnet wird. Der Kragen enthält den mittleren Coelomraum (Mesocoel), während im Rumpf neben dem letzten Abschnitt des Coelom (Metacoel) vor allem der Darm und die Geschlechtsorgane liegen. Der Darm endet am Hinterende des Wurmes, wobei der After als Atmungsorgan ausgebildet ist (Enteropneusta = "Darmatmer")

Fast alle Arten der Eichelwürmer graben Gänge in den Meeresboden und bewegen sich in diesem durch wellenförmige Muskelkontraktionen vorwärts. Unterstützt wird diese Bewegung durch die Hautoberfläche, die mit zahlreichen Cilien besetzt ist. Die Gänge sind U-förmig angelegt und haben am Hinterende des Tieres einen Ausgang für die Exkremente, die besonders im Watt neben den Kothaufen des Wattwurmes Arenicola marina sehr typische Strukturen darstellen. Am Vorderende wird ein Nahrungstrichter gebildet, die Tiere ernähren sich von organischen Partikeln, die im Schlamm enthalten sind. Dabei werden die Wohnbauten ständig umgebaut, um neue Nahrungsräume zu nutzen.

Eichelwürmer sind getrenntgeschlechtlich, wobei die Männchen und Weibchen bereits äußerlich an der Farbe der Geschlechtsorgane erkennbar sind. Diese liegen bei vielen Arten in speziell ausgebildeten Genitalflügeln am Rumpf der Tiere. Die Befruchtung geschieht außerhalb des Körpers. Dazu geben die Weibchen der im Gezeitenbereich lebenden Tiere kurz nach dem Ebbetiefstand einen Schleimstrom ab, der die Eier enthält, etwa 20 Minuten später geben die Männchen ihre Spermien auf die gleiche Weise hinzu.

Aus den Eiern schlüpfen typische Larven, die als Tornarien bezeichnet werden. Diese sind tonnen- bis eiförmig und müssen bis zum erwachsenen Tier eine umfangreiche Metamorphose durchlaufen, die der der Stachelhäuter ähnelt.

Innerhalb der Eichelwürmer werden aktuell 4 Familien unterschieden, wobei vor allem die Struktur und der Bau der Eichel (Eichelskelett, Eicheldarm) sowie einige weitere Charakteristika, wie z.B. das Vorhandensein von Leberblindsäcken und Synaptikeln, eine Rolle spielen. Eine phylogenetische Systematik liegt nicht vor.


Foto: © Chris B. Cameron/webdepot.umontreal.ca

 

   Verhaltensbeobachtungen zum gegenseitigen Besaugen von Fleckviehkälbern
 


Bei Kälbern tritt gegenseitiges Besaugen auf. Dieses stellt nicht nur ein ästhetisches Problem dar, es
kann vielmehr zu schweren gesundheitlichen Schäden wie Nabelentzündung und Bezoarkolik bzw.
-ileus führen.
In der vorliegenden Arbeit wurde bei in Gruppen an einem Tränkeautomaten gehaltenen Kälbern
versucht, das gegenseitige Besaugen zu beeinflussen. Es wurden die Auswirkungen von Veränderungen
an der Milchtränke oder der Tränketechnik auf das gegenseitige Besaugen von Kälbern
beobachtet.
Vor den Hauptversuchen wurden mehrere Vorversuche durchgeführt, die zur Klärung der Versuchsdurchführung
und Wahl der Methode dienten.
In den Hauptversuchen wurden insgesamt 98 Kälber der Rasse deutsches Höhenfleckvieh in 16
Gruppen (5 Kontrollgruppen und 11 Versuchsgruppen) beobachtet.
Die Haltung der Kälber erfolgte in einem Außenklimastall, dem Nürtinger Freiluftstall, mit eingestreuten
Liegeboxen. Ab dem ersten Tag stand den Kälbern Heu ad libitum und eine Kraftfuttermischung
zur Verfügung. Die Milchtränke erfolgte über einen Tränkeautomaten, die Tränke wurde
mit 120 Gramm Milchaustauscher angemischt.
Die Beobachtung der Tiere erfolgte mit 4 Videokameras. Die Auswertung erfolgte über 24 Stunden
über den gesamten Versuchszeitraum, 8 bzw. 9 Wochen Tränkephase und 10 Tage nach dem Absetzen.
Für die Nachtaufnahmen war eine Dämmerbeleuchtung installiert.
Die Auswertung erfolgte mit der Ereignis-Teil-Methode. Zur statistischen Auswertung wurde der
Mann-Whitney-U-Test verwendet.
Folgende Versuche wurden durchgeführt:
- Zudosierung von Glucose, 1 Versuchsgruppe
- Zudosierung von Laktose, 1 Versuchsgruppe
- Veränderung der Tränkezuteilung über eine Saugdruckverringerung, 2 Versuchsgruppen
- Veränderung der Tränkezuteilung durch eine Saugzeitverlängerung, 2 Versuchsgruppen
- Veränderung der Tränkezuteilung durch eine modifizierte Saugzeitverlängerung, 2 Versuchsgruppen
- Veränderung der Saugstelle durch eine Euterattrappe, 2 Versuchsgruppen
- Veränderung der Wassertränke durch eine Koppertränke, 1 Versuchsgruppe
Gleichzeitig wurden die Daten der Tränkeautomaten über die Häufigkeit und die Dauer der Besuche
der Kälber aufgezeichnet.
Die Zudosierung von 2 Gramm Glucose zur Milchtränke verringerte sowohl die Häufigkeit als auch die Dauer des Besaugens.
Die Kälber der Versuchgruppe besaugten durchschnittlich 0,93 mal und mit einer Dauer von 2,72 Minuten pro Tag, die der Kontrollgruppe besaugten 2,92 mal und mit einer Dauer von 9,49 Minuten pro Tag.
Damit saugten die Kälber der Kontrollgruppe mehr als dreimal so häufig und viermal so lange wie
die der Versuchsgruppe, beide Unterschiede sind signifikant.
Nach Absetzen der Tränke ist der Unterschied nicht mehr erkennbar, da nur 2 Kälber der Versuchgruppe und 3 Kälber der Kontrollgruppe in dieser Phase beobachtet wurden.
In beiden Gruppen wurde das Besaugen in etwa zu 15 % im Zusammenhang mit der Tränkeaufnahme
gezeigt. Der Zeitanteil lag bei der Kontrollgruppe mit 27,4 % höher als der Versuchsgruppe mit 15,7 %.
Die Zudosierung von 2 Gramm Laktose zur Milchtränke führte sowohl zu häufigerem als auch zu längerem Besaugen.
Zusammenfassung 124
Die Kälber der Versuchgruppe besaugten durchschnittlich 5,77 mal und mit einer Dauer von 20,26 Minuten pro Tag, die der Kontrollgruppe besaugten 1,69 mal und mit einer Dauer von 4,39 Minuten
pro Tag. Damit saugten die Kälber der Kontrollgruppe nur ein Drittel so häufig und nur ein Fünftel so lange wie die der Versuchsgruppe, beide Unterschiede sind signifikant.
Nach Absetzen der Tränke bleiben die Unterschiede signifikant, obwohl die Tiere der Versuchsgruppe
tendenziell weniger und kürzer besaugten.
In der Versuchsgruppe wurde besonders häufig an den hinteren Körperpartien besaugt.
Sowohl in der Versuchsgruppe als auch in der Kontrollgruppe wurden annähernd 30 % des Besaugens und 10 % der Besaugdauer in Zusammenhang mit der Tränkeaufnahme ausgeführt. Auch hier
konzentrierte sich das Besaugen der Versuchsgruppe auf die hintere Körperpartie.
Die Kälber der Versuchsgruppe duldeten mit 2,43 Aktionen signifikant häufiger im Tränkestand als
die der Kontrollgruppe (0,51 Aktionen).
Durch die Veränderung der Tränkezuteilung mit der Saugdruckverringerung konnte keine eindeutige
Verringerung des gegenseitigen Besaugens erreicht werden.
Während der ersten Versuchsfolge wurde in der Kontrollgruppe 1 (2,92 Aktionen) häufiger als in
der Versuchsgruppe 1 (1,52 Aktionen) besaugt, in der zweiten Versuchsfolge besaugten die Kälber
der Versuchsgruppe 2 häufiger als die der Kontrollgruppe 2 (4,13 vs. 1,69 Aktionen). Die Besaugdauer war ebenfalls in der ersten Versuchsfolge in der Kontrollgruppe 1 (9,49 min) länger als in der
Versuchsgruppe 1 (5,45 min), in der zweiten Versuchsfolge besaugten die Tiere die Versuchsgruppe 2 länger als die der Kontrollgruppe 2 (9,45 vs. 4,39 min). Nur die Werte der zweiten Versuchfolge
waren signifikant.
Auch in den anderen erfassten Merkmalen wurden divergierende Werte erfasst.
Durch die Veränderung der Tränkezuteilung mit der Saugzeitverlängerung konnte keine eindeutige
Verringerung des gegenseitigen Besaugens erreicht werden.
Während der ersten Versuchsfolge wurde in der Kontrollgruppe 1 häufiger als in der Versuchsgruppe 1 (2,92 vs. 1,08 Aktionen) besaugt, in der zweiten Versuchsfolge besaugten die Tiere der Versuchsgruppe 2 häufiger als die der Kontrollgruppe 2 (3,9 vs. 1,69 Aktionen). Die Besaugdauer war
in der ersten Versuchsfolge in der Kontrollgruppe 1 länger als in der Versuchsgruppe 1 (9,49 vs.
2,08 min), in der zweiten Versuchsfolge besaugte die Tiere der Versuchsgruppe 2 länger als die der
Kontrollgruppe (11,82 vs. 4,39 min).
Die erfassten Werte der ersten Versuchgruppe waren zum Teil signifikant niedriger als die der
Kontrollgruppe 1, die der zweiten Versuchgruppe signifikant höher als die der Kontrollgruppe 2.
Durch die Modifizierung der Saugzeitverlängerung wurde in beiden Versuchsgruppen eine tendenzielle
Reduzierung des gegenseitigen Besaugens erreicht.
Die Tiere beider Versuchsgruppen (4,85 und 2,59 Aktionen) besaugten weniger häufig als die der
Kontrollgruppen (5,85 und 3,06 Aktionen). Die Dauer der Besaugaktionen war in den Versuchsgruppen (8,48 und 3,73 Minuten) ebenfalls kürzer als die in den Kontrollgruppen (9,24 und 5,94 Minuten).
Die Tiere der ersten Versuchgruppe besaugten deutlich häufiger (39,7 %) und länger (49,2 %) im
Zusammenhang mit der Milchtränke als die der Kontrolle (19 % und 20 %).
Die Tiere der zweiten Versuchgruppe besaugten dagegen weniger häufig (10,7 %) und mit einem
ähnlichen Zeitanteil (13,7 %) als die der Kontrollgruppe 5 (30,1 % und 18,3 %).
Die Veränderung der Saugstelle durch eine Euterattrappe verringerte das gegenseitige Besaugen.
Die erfassten Unterschiede waren nur im zweiten Versuch signifikant.
Die Tiere der beiden Versuchgruppen „Euterattrappe“ besaugten weniger häufig (3,52 und 1,46 Aktionen) als die der Kontrollgruppen (7,1 und 5,85 Aktionen). Die Besaugdauer der Tiere des
Versuchgruppen war kürzer (9,52 und 1,95 min) als die der Kontrollgruppen (23,51 und 9,24 min).

Beide Versuchgruppen zeigten weniger Besaugaktionen im Zusammenhang mit der Milchtränke (30 % und 6,4 %) als die der Kontrollgruppen (67 % und 19 %). Die Besaugdauer im Zusammenhang
mit der Milchtränke war bei den Tieren der Versuchsgruppen ebenfalls niedriger (32,8 % und
6,2 %) als bei denen der Kontrollgruppen (68,3 % und 20 %).
Die Veränderung der Wassertränke durch eine Koppertränke verringerte das gegenseitige Besaugen tendenziell. Da die Veränderung der Wassertränke zu einer ungenügenden Wasseraufnahme führte,
wurde der Versuch nicht wiederholt.
Die Kälber der Versuchgruppe besaugten weniger häufig (4,06 vs. 7,1 Aktionen) und weniger lange
(23,51 vs. 9,48 min) als die der Kontrollgruppe.
Die Versuchgruppe zeigte etwa halb so viel Besaugaktionen (35 % vs. 67 %) und kürzere Besaugdauern (41 % vs. 68,3 %) im Zusammenhang mit der Milchtränke als die Kontrollgruppe.
Der Vergleich der Kontrollgruppe (siehe Anhang) zeigte auf, dass die erfassten Werte der einzelnen Gruppen sich in einigen Merkmalen deutlich unterschieden. Die Einflüsse durch äußere Faktoren scheinen dafür auszureichen. Deshalb ist es unabdingbar, dass parallel zu einer Versuchgruppe
immer eine Kontrollgruppe beobachtet wird.
Alle Kälber, sowohl die der Versuchs- als auch die der Kontrollgruppen zeigten große individuelle Unterschiede im Auftreten des gegenseitigen Besaugens. Eine Ausnahme bildeten die Kälber der
Versuchsgruppen „Euterattrappe 1 und 2“, hier wurden nur geringe individuelle Unterschiede aufgezeichnet.
Die Präferenz der besaugten Körperpartien variierte unter den Gruppen deutlich und konnte nicht ursächlich der Versuchanstellung zugeordnet werden.


Foto: © Jugendfarm Lübars/members.surfeu.de/home/rhini/

 
Quelle: http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/05/06H044/of_index.htm
 

25.05.2007
   Der längste Vogelpenis der Welt - 42,5 cm
 

Der Krieg der Geschlechter sei außer Kontrolle, sagen amerikanische Biologen, und das sehe man an der Form der Genitalien. Die Ornithologin Patricia Brennan erforscht zusammen mit ihren Kollegen die Penisformen und -längen verschiedener Wasservögel und untersucht die Auswirkungen, die das auf die entsprechenden weiblichen Geschlechtsorgane hat.

Andere Vögel sind auf diesem Gebiet recht zurückgenommen; bei den meisten von ihnen haben die Männchen überhaupt keinen sichtbaren Penis. Wasservögel dagegen sind recht gut ausgestattet, einige Arten haben über 40 Zentimeter lange Penisse. Das Genital der in Mitteleuropa weit verbreiteten Stockente misst immerhin noch 15 Zentimeter, länger als ein durchschnittliches menschliches Glied.

Der Penis der abgebildeten argentinischen Seeente (Oxyura vittata) umfasst eine Länge von 42,5 cm und ist damit der längste bisher gefundene Penis im ganzen Vogelreich.

Die Genitalien der verschiedenen Entenarten sind auch in anderer Hinsicht auffällig. Die Penisse der Erpel sind spiralig verdreht, die Vaginas entsprechend geformt und mit verschiedenen anatomischen Besonderheiten wie speziellen Seitentaschen ausgestattet.

Woran liegt das? Am Sexualverhalten!
Wasservögel leben in zeitweiligen oder lebenslangen Paarbeziehungen. Das heißt nicht, dass sie es nur mit einem Partner treiben, im Gegenteil. Fremdgehen ist bei den Viechern üblich, wie häufig das vorkommt variiert sehr stark von Art zu Art. Je häufiger so etwas vorkommt, desto länger und komplizierter gebaut ist das Organ.

Schwäne, die relativ Monogam leben und bei Seitensprüngen diskret vorgehen, haben recht kurze Penisse. Bei Enten kommt es dagegen sehr häufig vor, dass sich Männchen auf rabiate Weise fremder Weibchen bemächtigen, in Wissenschaftlerkreisen wird das als forced extra-pair copulation (FEPC) bezeichnet, der Volksmund nennt das Vergewaltigung.

Dieses Verhalten dient der Maximierung des Fortpflanzungserfolges beim Männchen. Je mehr Weibchen es befruchtet, desto mehr Nachkommen hat es[4]. Weil es die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung auch bei Gegenwehr erhöht, sind die Penisse der notorischen Vergewaltiger im Laufe der Evolution länger geworden.

Werfen wir einen Blick auf die Interessen der Entenweibchen. Die Entwicklung von Eiern und die nachfolgende Brutpflege sind energieaufwendig, deswegen haben die Damen natürlich absolut kein Interesse daran, dass jeder vorbeikommende Honk ihnen automatisch den ganzen Ärger einhandelt.

Vom biologischen Standpunkt gesehen erhöhen Entenweibchen ihren Fortpflanzungserfolg, wenn sie dafür Sorge tragen, dass sie nur von Männchen mit besonders geeigneten Merkmalen befruchtet werden. Sie müssen also einen Mechanismus entwickeln, die Befruchtung beim Verkehr möglichst kompliziert zu machen. Bei Enten läuft das über die Anatomie der ebenfalls sehr langen Vagina. Der Penis des Erpels ist spiralig gegen den Uhrzeigersinn gewunden. Dementsprechend hat die Vagina der Ente eine Anzahl Windungen im Uhrzeigersinn, üblicherweise in der Cervix kurz vorm Muttermund. Diese gegenläufigen Windungen erschweren die Penetration erheblich. Die Ente kann durch Strecken der Cervix dieses Hindernis beseitigen und genehmen Partnern aktiv Zugang gewähren. Eine weitere Besonderheit sind einige Abzweigungen, die von der Vagina des Entenweibchens abgehen und blind enden. Ihre Rolle ist allerdings noch unklar.

Weshalb erhöht die so kompliziert gebaute Scheide den Fortpflanzungserfolg der Weibchen? Die naheliegende Erklärung ist falsch. Das Entenweibchen kann zwar aktiv entscheiden, von wem es befruchtet wird, die konkrete Entscheidung des Individuums ist langfristig jedoch irrelevant. Die wirkliche Auswahl wird über einen biologischen Mechanismus getroffen, den man sexuelle Selektion nennt.


Foto: © Nature publishing group

 
Quelle: http://www.plosone.org/article/fetchArticle.action?articleURI=info:doi/10.1371/journal.pone.0000418
 

18.05.2007
   Wichtige Nahrungsgrundlage der Meere - Schleim von Larvacea
 


Larvacea , auch Appendicularia genannt, sind eine Ordnung der Manteltiere (Tunicata) und gehören damit zu den Chordatieren (Chordata).

Die meisten Arten sind nur wenige Millimeter groß. Es gibt aber auch eine Art, Bathochordaeus charon, die 8 cm lang wird. Die Appendikularien werden leicht übersehen, weil sie durchsichtig sind.

Unter den freischwimmenden Manteltieren sind die Appendikularien die einzigen, die lebenslang einen langen, abgeplatteten Ruderschwanz behalten und damit sofort als Chordatiere erkennbar sind, denn der Schwanz enthält, neben der kräftigen Muskulatur, die elastische Rückensaite. Der Rumpf ist klein, walzenförmig und gedrungen und enthält einen Kiemendarm, ein Herz, ein zentrales Nervensystem und zwittrige Geschlechtsorgane. Er ist im Prinzip wie bei anderen Manteltieren gebaut, weist aber nur zwei Kiemenspalten auf. Der Schwanz ist abgewinkelt und um 90° gedreht, so dass die ursprüngliche Bauchseite des Schwanzes nach links gerichtet ist. Somit ist die Schlagrichtung des Schwanzes nach vorn und unten gerichtet. Durch kurze, schnelle Schlagserien verhindern die Appendikularien ein Absinken in tiefere, nahrungsarme Wasserschichten. Sie leben im offenen Meer und treiben langsam dahin, in einem Gehäuse, das dem Mantel der übrigen Manteltiere entspricht.

Dieses Gehäuse wird von großen Drüsenzellen am Vorderende des Körpers abgeschieden und ist viel größer als der Bewohner selbst (ca. 1:35). Es enthält eine paarige, siebartige Einströmöffnung, eine vorgebildete Fluchtöffnung und eine Ausströmöffnung.

Bei der geringsten Beunruhigung verlassen die Appendikularien ihr kunstvolles Gehäuse, bilden aber in wenigen Stunden ein neues.

Durch das regelmäßige Schlagen des Schwanzes entsteht ein Wasserstrom durch das Gehäuse, mit dem Nahrung herbeigestrudelt wird. Während größere Partikel vom Sieb der Einströmöffnungen zurückgehalten werden, gelangen winzige pflanzliche und tierische Einzeller in einen komplizierten Reusenmechanismus ins Innere des Gehäuses. Dieser ganze Fangkorb hängt nur an der Mundregion fest. Dort endet auch eine Rinne, in der sich die abgefilterten Nahrungspartikel sammeln, die von Zeit zu Zeit in die Mundöffnung eingestrudelt werden. Auf den Wimperrinnen im Inneren des Schlundes wird die Nahrung eingeschleimt und zum Magen weiterbefördert. Der Magen mit seinen verschiedenen Abschnitten ist je nach Art sehr unterschiedlich geformt und kann somit zur Unterscheidung der Arten dienen. Durch den bewimperten Mittel- und Enddarm gelangt die Nahrung zum After auf der Bauchseite des Tieres.

Die meisten Appendikularien sind zwar Zwitter, aber es kommt nicht zur Selbstbefruchtung, denn die Spermien reifen früher als die Eier. Es gibt keine Ausführgänge für die Geschlechtsprodukte. Die Eier gelangen durch Zerreißen der Körperwand ins Freie. Darauf geht das Elterntier ein. Die Entwicklung gleicht der der übrigen Manteltiere, insbesondere der Entwicklung der Seescheiden. Die Larven der Appendikularien haben mit denen der Seescheiden große Ähnlichkeit. Die Appendikularien behalten aber den Schwanz, der zweifellos als urtümliches Merkmal anzusehen ist. Das zeigt die gemeinsame Herkunft der Manteltiere mit den übrigen Chordatieren, also auch mit den Wirbeltieren.

In der Tiefsee herrschen nicht nur hoher Druck und Dauerdunkel, sie bietet ihren Bewohnern auch nicht gerade reichlich Nahrung. Trotzdem leben auch in dieser scheinbar so lebensfeindlichen Welt zahlreiche Tierarten. Doch wovon leben sie? Genau diese Frage konnten jetzt amerikanische Wissenschaftler auf überraschende Weise beantworten.

Der Meeresbiologe Bruce Robison und seine Kollegen vom Monterey Bay Aquarium Forschungsinstitut (MBARI) untersuchten gezielt die Tiere, die vor der Küste Mittelkaliforniens am tiefen Meeresboden leben. Nach der Analyse von hunderten von Stunden Videoaufzeichnungen konnten die Forscher die so genannten „Sinkers“ als Nahrungsquelle identifizieren. Diese sind feine Schleimnetze, die von kleinen Tieren der mittleren Wassertiefen, den so genannten Larvaceen abgegeben werden. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Science veröffentlicht.

Die Tiefsee wird von einer breiten Palette von schwimmenden, grabenden und kriechenden Tieren bewohnt. Da in dieser Tiefe jedoch keine Pflanzen wachsen, müssen die meisten Tiefseebewohner entweder ihresgleichen fressen oder aber sich von dem Material ernähren, dass von oben herabsinkt. Jahrzehntelange Messungen von Meeresbiologen ergaben aber, dass die Menge an benötigter Nahrung weitaus größer ist als die Menge des herabsinkenden Detritus. Was also fressen die Tiere?

Zwar gab es dazu mehrere Theorien, doch erst jetzt konnten die Wissenschaftler eine dieser rätselhaften Nahrungsquellen dingfest machen. Larvacea sind kleine, mit den Tunikaten oder Seescheiden verwandte Weichtiere, die sich von kleinsten organischen Teilchen im umgebenden Wasser ernähren.

Die am weitesten verbreitete Larvacee, die Riesen-Larvacea aus der Gattung Bathochordaeu, lebt im Inneren von zwei netzartigen Schleimfiltern, ihrem „Haus“. Der äußere Filter fängt gröbere Teilchen ein und kann bis zu einem Meter Breite erreichen. Der innere Filter ist dichter und dient dem „Fischen“ der Nahrung. Nach rund 24 Stunden „Dauerbetrieb“ setzen sich die Filter zu und die Larvacee verlässt ihr nunmehr funktionsunfähig gewordenes Haus um sich ein neues zu bauen. Die abgelegten Filter sinken zum Meeresgrund und tragen dabei ihre reiche Fracht an organischen Teilchen und kleinen Meerestieren mit sich.

Der Biologe Bruce Robison entdeckte hunderte dieser herrenlosen Netze in Filmaufnahmen, die ferngesteuerte Tauchroboter vor der kalifornischen Küste gemacht hatten. Er erklärt: „Als mir klar wurde, dass die Sinker signifikante Nahrungsmengen in Form von organischen Kohlenstoff in die Tiefsee transportieren, fragten wir andere Meereskundler, ob sie diese Dinger auch in ihren Sedimentfallen gefunden hatten. Es zeigte sich, dass obwohl die Sinker sehr häufig sind, sie sich nur sehr selten in den Fallen verfangen. Zudem zerfallen sie oft bei Kontakt mit einem festen Objekt.“ Daher registrierten bisher die Forscher entweder gar keine Sinker oder aber fanden nur noch einen formlosen Schleimklumpen, den sie für eine Kontamination hielten und aussonderten.

Um herauszufinden, wie viel Kohlenstoff diese Sinker zum Meeresboden transportieren, erforschte Robison zunächst, wie häufig sie waren. Zehn Jahre lang führten die Forscher dazu eine monatliche „Volkszählung“ in zehn verschiedenen Wassertiefen durch. Sie zählten dabei an einem Tag durchschnittlich vier Sinker pro Quadratmeter – oder in anderen Worten: Auf einer Fläche der Größe eines Tellers landen im Jahr rund hundert Sinker.

Doch wieviel Kohlenstoff transportiert so ein Sinker? Um das zu erfahren, setzten die Wissenschaftler ferngesteuerte Tauchroboter ein, die die schwebenden Schleimnetze einfingen – keine leichte Aufgabe. Zurück im Labor maßen die Forscher die Menge organischen Kohlenstoffs in jedem Sinker. Aus diesen Werten ermittelten sie, dass die Sinker fast so viel Kohlenstoff zum Meeresboden transportieren, wie der gesamte Detritus, der in Sedimentfallen gesammelt wurde. Damit hatten sie eine zusätzliche Nahrungsquelle der Tiefseebewohner gefunden, die mehr als ausreichend ist, um alle zu ernähren.

Diese Funde haben Bedeutung über die Meersbiologie hinaus, da sie auch wichtige neue Erkenntnisse für die Klimaforschung bringen. Denn die Meere sind Teil des globalen Kohlenstoffkreislaufs und daher ist es essenziell, zu wissen, wie viel Kohlenstoff innerhalb der Meere transportiert wird.



Foto: © David Wrobel/jellieszone.com

 
Quelle: Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI), 13.06.2005 - NPO
 

14.05.2007
   Die Metamorphose der Lanzettfischchen - Branchiostoma lanceolatum
 

Branchiostoma setzt sich aus den griechischen Wörtern "branchion" für Kieme und "stoma" für Mund zusammen, bedeutet damit also soviel wie Kiemenmünder. Des öfteren findet man noch den alten Namen Amphioxus, was auf seine sich an beiden Körperenden verjüngende Form anspielt.

Seit seiner ersten Beschreibung hat das Lanzettfischchen so einige Wirren erlebt. Im Jahre 1774 von Pallas als Nacktschnecke namens Limax lanceolatus erstbeschrieben ordnete Costa es 1834 den Fischen als Branchiostoma lubricum zu. Yarell wies die Chorda dorsalis nach und nannte es Amphioxus. Mittlerweile lautet der Name wieder Branchiostoma, die Zuordnung zu den Fischen wurde jedoch revidiert, der Name Lanzettfischchen erinnert noch immer an diese Zeit. Habitus und Habitat legten diese Vermutung ja auch nah.



Verglichen mit den Wirbeltieren zeichnet sich das Lanzettfischchen durch einige sehr basale Merkmale aus:

-Die Epidermis ist nur einschichtig.
-Die große Anzahl an Spaltöffnungen des Kiemendarms und die an jedem Hauptbogen liegenden Nephridien zeigen noch eine sehr starke Segmentierung auf.
-Die Leber ist hohl und endet blind.
-Die Sinnesorgane liegen als Rückenmarksaugen im Neuralrohr.
-Knorpel und Knochen fehlen ganz.
-Ein umfangreiches Cölom ist noch vorhanden
-Extremitäten kommen nicht einmal in Anlagen vor. Die Metapleuralfalten werden jedoch von manchen als Vorläufer der paarigen Brustflossen beschrieben (-> Archipterygiumtheorie oder Seitenfaltentheorie (BALFOUR 1881, A. D OHRN 1884 und andere)

Ob alle auf den ersten Blick primitiven Strukturen dies auch wirklich sind, ist noch nicht geklärt, dazu zählen das Fehlen des Herzes und die hohe Gonadenzahl. Die einfache Gehirnstruktur und die Art der Entleerung der Keimzellen sind höchstwahrscheinlich sekundär vereinfacht.

Als Filtrierer leben die Lanzettfischchen davon, aus dem umgebenden Wasser Nahrungspartikel aufzunehmen und dieses wie weiter oben beschrieben um Nährstoffe zu "erleichtern". Dabei ist der Körper mindestens zur Hälfte, oft bis zum Mundansatz, im Untergrund vergraben, und befindet sich der Körper in leichter Schräglage (siehe Titelbild). Das Tier richtet sich derart in der Strömung aus, das der Wasserstrom automatisch in die Mundhöhle gedrückt wird, zusätzlich strudeln die Cirren, die Wimpernflamme der Hatschekschen Grube, das Räderorgan und die Bewimperung des Kiemendarmes das Wasser in die richtige Richtung, gen Kiemendarm.
Die Cirren sortieren übergroße Partikel aus, um eine Verstopfung der Kiemenspalten zu vermeiden. Eine weitere Kontrollinstanz bildet das Velum.

Lanzettfischchen sind schnelle Schwimmer, die sich mit schlängelnden Bewegungen durch das Wasser bewegen. Bis zu einem gewissen Maße sind sie auch zur Fortbewegung im Sand in der Lage.


Foto: © devonwildlifetrust.org

 

13.05.2007
   Die Priapswürmer
 


Priapswürmer haben einen meist plumpen, zylindrisch geformten Körper, dessen Länge zwischen 0,05 Zentimetern bei Tubiluchus corallicola und 39 Zentimetern bei Halicryptus higginsi liegt. Obwohl von kreisförmigem Querschnitt sind die inneren Organe zweiseitig symmetrisch angeordnet.

Am Vorderende tragen die Tiere einen kurzen rüsselförmigen "Kopf", der auch als Proboscis bezeichnet wird. Dahinter befindet sich der oberflächlich in 30 bis 100 Ringe geteilte Rumpf, der jedoch intern nicht segmentiert ist. Er ist bedeckt von chitinhaltigen Dornen, den Scaliden, sowie von zahlreichen Grübchen und Papillen, die wohl allesamt als Sinnesrezeptoren dienen. Die Dornen werden darüberhinaus auch zur Fortbewegung eingesetzt. Besonders häufig treten sie, meist in Form dorniger Haken, auch auf dem Introvert auf, wo sie in mehreren Längsreihen angeordnet sind und wahrscheinlich auch zum Beutefang benutzt werden.

Am Hinterende können sich ebenfalls Haken befinden; sie dienen wohl zur Fortbewegung. Einige Arten besitzen zudem entweder einen langen, einziehbaren Schwanz, der vermutlich zur Verankerung im Sediment dient, oder ein bis zwei büschelige Schwanzanhänge. Letztere kommen besonders bei Tieren vor, die in sauerstoffarmen Sedimenten leben; sie dienen daher wahrscheinlich eher dem Gasaustausch, daneben vielleicht auch der Regulation des Salzhaushalts oder der Wahrnehmung chemischer Substanzen.

Die Körperwand ist ein Hautmuskelschlauch, der aus einer chitinhaltigen nicht-zelligen Außenhaut, der Cuticula, einer als Epidermis bezeichneten Innenhaut, sowie aus zwei Schichten quergestreifter Muskulatur besteht. Die Cuticula setzt sich zusammen aus einer außenliegenden kollagenhaltigen Epicuticula, einer aus Proteinen aufgebauten Exocuticula und einer chitinhaltigen Endocuticula und wird regelmäßig gehäutet. Die Epidermis besteht aus einer einlagigen Zellschicht; unter ihr befindet sich erst eine Schicht Ringmuskulatur, der eine weitere Schicht Längsmuskulatur folgt. Am Vorderende sitzen zusätzlich zwei Gruppen spezialisierter Längsmuskeln, die Introvert-Retraktor-Muskeln, die dem Wurm ermöglichen, das Introvert in den Rumpf einzuziehen und somit zu schützen.

Zwischen der innersten Muskelschicht und dem Verdauungstrakt samt assoziierter Muskeln befindet sich die Leibeshöhle. Sie wurde lange Zeit als echtes Coelom angesehen, also als flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der von Epithelgewebe begrenzt wird, das während der Embryonalentwicklung aus Zellen des Mesoderm hervorgeht. Es ist aber nach neueren Erkenntnissen wohl nicht von einer eigenen Zellschicht umkleidet und stellt damit ein so genanntes Pseudocoelom dar; eine Ausnahme bilden lediglich die Keimdrüsen und vielleicht auch der Schlund, die anscheinend von einem echten Coelom umgeben sind. Das Pseudocoelom ist von einer Flüssigkeit gefüllt, in der neben amöboiden Fresszellen auch rosafarbene Blutzellen zirkulieren, die den sauerstoffbindenden Blutfarbstoff Hämerythrin enthalten und deshalb als Hämerythrocyten bezeichnet werden. Sie erlauben den Würmern vermutlich den Aufenthalt in ihrem teilweise sauerstofflosen (anoxischen) Lebensraum. Neben seiner Funktion in der Weiterleitung von Nährstoffen und Gasen durch den Körper dient das Pseudocoelom auch als hydrostatisches Stützskelett.

Der Verdauungstrakt beginnt mit dem Mund, an den sich ein muskulöser und von innen mit zahlreichen "Zähnchen" besetzter Schlund anschließt. Er kann ein- und ausgestülpt werden und wird in letzterem Zustand auch als Mundkegel bezeichnet - die Zähnchen kommen dann außen zu liegen. Hinter dem Schlund schließt sich manchmal eine weitere Höhlung an, das Polythyridium, das wohl als Muskelmagen der weiteren Zerkleinerung der Nahrung dient, die dann im mit zahlreichen Einstülpungen, den Microvilli, besetzten Mitteldarm aufgenommen wird. Nicht verwertbare Reststoffe gelangen in einen kurzen Enddarm, der im endständigen After endet. Der gesamte Verdauungstrakt ist von zwei Muskelschichten umgeben, innenliegender Ringmuskulatur und außenliegender Längsmuskulatur.

Die Ausscheidung flüssiger Abfallstoffe findet durch zwei paarig angelegte büschelige Organe statt, die als Protonephridien bezeichnet werden und im hinteren Rumpf links und rechts des Darmes an speziellen Bändern, den Mesenterien, aufgehängt sind. Sie bestehen aus feinen Röhrchen, an deren Ende mindestens zwei einfach bewimperte Zellen, die Solenocyten, sitzen. Zusammen mit dem von der zylindrischen Keimdrüse ausgehenden Ei- beziehungsweise Samenleiter münden sie in einem gemeinsamen Urogenitaltrakt, der durch kleine Öffnungen, die Nephridioporen, am Rumpfende mit der Außenwelt verbunden ist.

Das Nervensystem besteht aus einem Nervenring, der am Vorderende des Kopfes um den Mund herum verläuft. Von ihm zieht ein einfacher, ungepaarter und ganglienloser Nervenstrang in der Mitte der Bauchseite nach hinten, von dem seinerseits in regelmäßigen Abständen Ringnerven abzweigen. Er selbst endet in einem Schwanzganglion.

Der Sinneswahrnehmung dienen die zahllosen Grübchen (Flosculi), Noppen (Papillen) und Dornen (Scaliden), die hohl sind und jeweils eine einfach begeißelte Sinnesnervenzelle beherbergen.

Die größeren Priapswurm-Arten leben nur in den kalten zirkumpolaren Gewässern der Arktis und Antarktis, an den Küsten Nordamerikas östlich bis etwa auf die Höhe des US-Bundesstaats Massachusetts, westlich bis etwa Zentralkalifornien, sowie in Nord- und Ostsee; von Süden auch um das argentinische Patagonien herum. Die kleineren Arten, besonders aus der Familie Tubiluchidae, finden sich dagegen weltweit in marinen Gewässern, auch in den Tropen, speziell in der Karibik und vor den Küsten Mittelamerikas.

Alle Tiere leben benthisch, also auf dem Meeresboden, wo sie sich derart in sauerstoffarme Sedimente eingraben, dass die Mundöffnung auf der Sedimentoberfläche liegt. Sie kommen von der Gezeitenzone bis in etwa 500 Meter Wassertiefe vor; manche Arten finden sich im Wattenmeer oder im brackigen Wasser vor Flussmündungen. Die kleineren Arten leben auch interstitial in den Lücken zwischen den feinen Körnern von Muschel- oder Korallensand.

Eine besondere ökologische Nische hat die Art Halicryptus spinulosus gefunden, die in nahezu sauerstofffreien (anoxischen), sulfidgesättigten Sedimenten der Ostsee lebt und offensichtlich in der Lage ist, große Konzentrationen dieses Gifts zu tolerieren beziehungsweise innerhalb des eigenen Körpers abzubauen.

Insbesondere die größeren Wurmarten sind heute in erster Linie auf arten- und damit konkurrenzarme Lebensräume spezialisiert und spielen ökologisch im Vergleich zu anderen Bewohnern des Meeresbodens nur noch eine untergeordnete Rolle.
Die größeren Arten leben allesamt räuberisch von wirbellosen Tieren mit weichem Körper wie Vielborstern (Polychaeta), aber auch anderen Priapswürmern. Ihrer Beute lauern sie im Sediment eingegraben auf, packen sie mit den dornigen Haken ihres Introverts und schieben sie als Ganzes durch permanentes Ein- und Ausstülpen des Mundkegels immer weiter in den Schlund, wo sie durch die feinen Zähnchen klein gehäckselt wird. Beim Ausstülpen des Mundkegels gelangen die Zähnchen nach außen und helfen so mit, die Beute sicher zu ergreifen.

Die kleineren Arten ernähren sich dagegen eher von organischem Abfall und den darin enthaltenen Bakterien. Maccabeus filtert eventuell Nährstoffe aus dem Wasser, erzeugt dazu allerdings anscheinend keinen Atemwasserstrom wie andere Filtrierer. Ausgekleidete Wohnröhren, wie sie von anderen meereslebenden Würmern angelegt werden, sind bei den Priapswürmern unbekannt.
Priapswürmer bewegen sich mit Hilfe ihres rüsseligen Introverts vorwärts und können sich, wenn auch bei den erwachsenen Tieren mit Schwierigkeiten, in weiche Sedimente eingraben, in dem sie dort abwechselnd ihre vordere und hintere Körperregion verankern.

Zu Beginn eines Zyklus wird der Körper am Hinterende durch Entspannung der dortigen Ringmuskulatur verdickt und bildet dort auf diese Weise den so genannten Penetrationsanker. Die restliche Ringmuskular kontrahiert hingegen und verringert damit den Körperquerschnitt. Da die Flüssigkeit im Pseudocoel praktisch immer dasselbe Volumen einnimmt, stülpen sich bei entspannter Längsmuskulatur Introvert und Schlund nach vorne aus. Dadurch, dass nun durch eine vom Hinterende ausgehende wellenförmige Kontraktion der Ringmuskulatur immer mehr Flüssigkeit aus dem Rumpf in das Introvert gelangt, dehnt sich dieses erheblich aus und verankert nun seinerseits den Körper an der Vorderseite. Durch Kontraktion der Längsmuskulatur und der Introvert-Retraktormuskeln wird der Rest des Körpers nach vorne nachgezogen, so dass nach Aufbau eines neuen Penetrationsankers am Hinterende der Zyklus von vorne beginnen kann.

Priapswürmer sind getrenntgeschlechtliche Tiere, obwohl sich Männchen und Weibchen meist nicht unterscheiden lassen. In der Gattung Maccabeus sind keine Männchen bekannt, sie vermehrt sich daher wahrscheinlich parthenogenetisch, also ohne Befruchtungsvorgang.

Samen und die kleinen Eier mit relativ hohem Dottergehalt werden bei den größeren Arten meist im Spätwinter freigesetzt und extern befruchtet. Meist geben zuerst die Männchen, dann die Weibchen ihre Keimzellen ins Meerwasser ab. Bei den kleineren Arten kommt eventuell auch eine interne Befruchtung im Körper des Weibchens vor.

Die Entwicklung der Tiere verläuft manchmal direkt, meist aber über ein ebenfalls bodenlebendes Larvenstadium. Der Rumpf der Larven ist von einem Korsett, der Lorica, aus zehn Cuticulaplatten bedeckt, von denen je eine bauch- und rückenseitig, drei auf jeder Seite und zwei kleinere am Vorderende liegen. Wie bei den erwachsenen Tieren ist auch bei den Larven das Vorderende als Introvert ausgebildet und in den Rumpf einstülpbar. Am Hinterende befinden sich spezielle "Zehen", die mit Klebedrüsen versehen sind und wahrscheinlich der Anheftung am Sediment dienen. Vor der Metamorphose, also der Umwandlung zum erwachsenen Tier, durchläuft die Larve zahlreiche Häutungen, bei denen auch die Lorica jeweils erneuert wird. Während der komplexen Entwicklungsphase, die womöglich bis zu zwei Jahre andauern kann, ernährt sie sich vermutlich detrivor, also von organischen Abfallstoffen. Am Ende dieser Zeit steht die Metamorphose selbst, bei der die Lorica verloren geht; Häutungen finden jedoch auch bei den erwachsenen Tieren weiterhin statt.

 

04.05.2007
   Ökosystem Nebelwüste
 


Als Nebelwüsten bezeichnet man einen Wüstentyp in den Subtropen, den man vor allem an kontinentalen Westküsten antrifft.

Obwohl auch sie sehr niedrige Niederschlagsmengen aufweisen, findet in Küstennähe regelmäßig eine starke Nebelbildung statt. Die Namib - zirka 1300 km lang und 30 bis 100 km breit - , als klassisches Beispiel einer Nebelwüste, ist oft jahrelangen Trockenperioden ausgesetzt und besitzt eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von nur 20 mm im Jahr, stellt also einen der trockensten Orte der Erde dar, obwohl sie an den Atlantik angrenzt. Dennoch bilden sich an etwa 200 Tagen im Jahr in den frühen Morgenstunden dichte Nebel. Verantwortlich für diese Nebelbildung sind die über dem Kontinent erwärmten küstenparallelen oder ablandigen Passatwinde, die sogenannte Auftriebsgebiete vor der Küste entstehen lassen. Diese Winde schieben warmes Oberflächenwasser von der Küste weg, wodurch kalte Tiefenströmungen aufsteigen können und das warme Wasser ersetzen. Durch Kontakt mit dem kalten Wasser des Benguelastrom kühlt sich auch die oberflächennahe Luft ab und beginnt zu kondensieren. Dieser Abkühlungseffekt führt in einem viele Kilometer breiten Streifen zu einer hohen Luftfeuchtigkeit, zu Nebelbildung (etwa 250 Nebeltage pro Jahr). Der warme Wind streicht über die kalte Luft und hindert sie daran aufzusteigen und Wolken zu bilden - Stratuswolken.

Niederschläge bleiben daher aus; eine stabile Inversionswetterlage hat sich gebildet. Nur in unmittelbarer Küstennähe erreichen die Nebel das Land und sorgen für die wenige Feuchtigkeit, von der die Pflanzen und Tiere dieser Wüsten zehren.
Am bekanntesten sind Schwarzkäfer wie der Weiße Wüstenkäfer, die auf hohen Dünenkämmen einen Kopfstand machen und so Kondenswasser aufsammeln. Auch die Welwitschie profitiert durch ihr über eine riesige Fläche ausgebreitete Wurzelwerk vom Tau. Mit dem Nebel als Feuchtigkeitsspender müssen die wüstenbewohnenden Tiere und Pflanzen in den Dünentälern im Wesentlichen auskommen; er ist ihre wichtigste Lebensgrundlage. In der Namib-Wüste vergehen oft viele Jahre ohne messbare Niederschläge; es wurden schon ununterbrochene Trockenzeiten von 10 Jahren registriert. Selbst an der Küste sind die Niederschläge gering (maximal 8 mm/Jahr).

Der Weiße Wüstenkäfer (Onymacris plana) ist eine Art aus der Familie der Schwarzkäfer.
Weiße Wüstenkäfer sind zwischen einem und zwei Zentimeter lang. Sie besitzen zwar eine schwarze Grundfarbe, diese ist jedoch auf der Oberseite fast vollständig mit feinem weißen Staub bedeckt. Auf den Flügeldecken befindet sich eine Vielzahl von weißen Buckeln. Der Körper ist oval geformt, eher gedrungen als gestreckt. Die mittellangen Fühler sind fadenförmig. Auffallend sind auch die sehr langen Beine.

Die Käfer bewohnen ausschließlich reine Sandwüsten in der Namib. Sie ernähren sich von sämtlichen im Zerfall begriffenen, organischen Substanzen, die sie finden können. Dank ihrer langen Beine können die Tiere sehr schnell laufen und sich in den Sand eingraben, damit ihnen die Hitze nicht zu sehr zusetzt. Auch die weiße Körperfärbung hilft gegen die Hitze, indem sie die Sonnenstrahlen reflektiert. Ihren Bedarf an Wasser beziehen die Tiere wie der Nebeltrinker-Käfer aus dem Nebel, der in den frühen Morgenstunden vom Atlantik in die Namib zieht. Dazu wandern die Käfer auf den Kamm der Düne, wenden sich mit dem Kopf dem nebelbringenden Wind zu, strecken ihre langen Hinterbeine aus und senken den Kopf. Die Tröpfchen, die sich daraufhin auf dem Rücken der Käfer sammeln, rollen zum Maul herunter. Ein Käfer kann an einem Morgen bis zu 40 Prozent seines Körpergewichts durch den Nebel aufnehmen. Die Larven leben unter der Oberfläche und ernähren sich von Wurzeln und modernden Pflanzenteilen.

Videos der Bewegungsbläufe von Onymacris plana


Foto: © ga.og.bw.schule.de


 

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