Statistik
     Online: 19
     Heute: 224
     Gestern: 191
     Tagesrekord: 4733
     Gesamt: 4441
 
 


Zoologie News
» Transgenerationale phänotypische Plastizität – ein DFG-gefördertes Forschungsstipendium (06.06.2017)
» Das soziale Miteinander und Gegeneinander der Tiere (10.09.2016)
» Lug und Trug bei der Spinnenhochzeit (02.09.2016)
Ameisen News
» Ameisenlarven und ihre Nahrung – wie nehmen sie feste Nahrung auf? (23.10.2010)
» Ameisenpräparation und Mikrofotografie - Kompendium (24.07.2010)
» dnt DigiMicro 1.3 - Das digitale Binokular (16.08.2009)
Zellbiologie News
» Getüpfelte Zellen (30.06.2007)
» Potenzial von Stammzellen (16.06.2007)
» Das Lebewesen mit den wenigsten Chromosomen... (04.04.2007)
Physiologie News
» Wenn Bienen pessimistisch werden (08.06.2015)
» Die Eientwicklung des Prachtgrundkärpflings Nothobranchius rachovii (14.04.2012)
» Ein Plädoyer für den Schlaf (24.09.2011)
Botanik News
» Glutaraldehyd – ein Mittel zur Algenbekämpfung? (19.07.2015)
» Exkurs: Japanische Stemmeisen (10.12.2012)
» Haltung eines neuen aquatistischen Farnes: Hymenasplenium obscurum (vorher als Crepidomanes auriculatum oder Asplenium cf. normale bezeichnet) (09.12.2012)
Chemie News
» Das perfekte Aquariumwasser – ein Leitfaden zum Wasserpanschen (14.05.2011)
» Organische Chemie Diplom-Zusammenfassung (10.09.2009)
» Organische Chemie Vordiplom-Gedächtnisprotokoll (15.12.2006)
Physik News
» Physik Vordiplom Gedächtnisprotokoll (22.03.2007)
» Physik-Zusammenfassung (08.02.2007)
Service News
» Forum und Kommentarfunktion geschlossen (13.09.2012)
» Forum-Umstellung (07.03.2008)
» We want You! (01.05.2007)


01.05.2007
   Die Stielaugenfliegen
 


Die Stielaugenfliegen (Diopsidae) sind eine Familie der Zweiflügler (Diptera). Sie werden zu den Fliegen (Brachycera) gezählt. Weltweit sind ca. 160 Arten bekannt, die in den tropischen Regionen Afrikas, Südamerikas und Indien leben. Nur eine Art, Sphyracephala brevicornis, ist in der gemäßigten Zone Nordamerikas anzutreffen.

Das Hauptmerkmal der Stielaugenfliegen sind die namensgebenden Augen, die auf langen Stielen seitlich am Kopf sitzen. Dies dient zur besseren räumlichen Wahrnehmung und zur Orientierung. Die Männchen weisen längere Stiele auf als die Weibchen, im linken Bild sieht man oben ein Weibchen, unten ein Männchen.

Die großen Sehfelder der Komplexaugen der malayischen Stielaugenfliege überschneiden sich 3–4 mm vor den Augen. Eine Entfernungswahrnehmung von Objekten, die sich in den Sehfeldern beider Facettenaugen befinden, ist deshalb sehr wahrscheinlich.
Interferometrische Messungen am Cyrtodiopsis-Auge führten zu gleichen Brechungsquotienten für die Ommatidienstrukturen wie bei Calliphora erythrocephala. Die geometrischoptischen Berechnungen ergaben für den dioptrischen Apparat des Ommatidiums im Cyrtodiopsis-Auge eine objektseitige Brennweite von 29 µm. Hieraus und aus den Durchmessern der Rhabdomeren-Kappen — sie liegen in der Brennebene — resultieren die Öffnungswinkel von 2,5° für die Rhabdomere 1–6 und von 1,6° für das 7. Rhabdomer. Diese Öffnungswinkel sind kleiner als die der Ommen, die bei 8,8° liegen. Im einzelnen Ommatidium kann eine höhere Auflösung erzielt werden, da die Beugungsscheibe jeweils nur eine Kappe bedeckt.

Hinzu kommen die Vorderbeine, die als Greiforgane ausgebildet sind und von den Männchen bei der Kopulation eingesetzt werden.

Gerald Wikinson (Universität von Maryland) entdeckte, dass die männlichen Stielaugenfliegen mit kurzen Augenstielen bei der Paarung überwiegend weiblichen Nachwuchs produzieren. Wie sich kürzlich zeigte, tragen sie auf ihren X-Geschlechtschromosomen ein "selbstsüchtiges" Gen, das durch Manipulation des Geschlechts der Nachkommen seine maximale Ausbreitung sichert. Es befindet sich neben der Erbanlage für die kurzen Augenstiele und wird daher mit mit ihr zusammen vererbt. Indem Weibchen Bewerber mit diesem Merkmal ablehnen, vermeiden sie also so das betrügerische Gen.


Foto: © alpha.qmul.ac.uk

 

29.04.2007
   Der Einfluss der Weibchen auf das Sperma
 


Die traditionelle Sicht vom „Spermawettkampf“ war eine von sexuell entusiatistischen Männchen und passiven Weibchen. Der Grund dafür war, dass man davon ausging, das die Selektion bei Männchen intensiver ist als bei Weibchen.

Aktuelle empirische Beobachtungen zeigten jedoch, dass vor allem bei Vögeln die Weibchen manchmal aktiv zusätzliche Kopulationspartner suchen. Das hat zu einer Aufwertung der weiblichen Rolle im Wettkampf um das Sperma geführt.

Im Kontrast zu Situationen, in denen die Weibchen direkte Vorteile durch Kopulation mit mehreren Männchen erhalten, suchen Weibchen, für die indirekte Vorzüge wichtig sind, spezifisch Männchen auf, um ihr Ovar durch diese befruchten zu lassen.

Es gibt zwei Möglichkeiten für Weibchen, sich die Vaterschaft ihres Kindes auszusuchen: entweder durch ihr Verhalten oder aber durch physiologische Weise (ein Prozess, der sich kryptische Weibchenauswahl nennt). Intuitiv scheinen Verhaltensvariationen der direkteste Weg für Weibchen zu sein, die Vaterschaft zu kontrollieren. Jedoch mag es nicht so simpel sein, die Priorität eines Weibchen muss sein, dass ihre Eier fruchtbar sind.

Ihre beste Strategie könnte also sein, dass sie mit einem Männchen kopuliert und wenn sie später ein „besseres“ Männchen findet, mit diesem nochmals kopuliert. Da das frischeste Sperma das Ei befruchtet, ist die Vaterschaft des letzten Kopulationspartners grösstenteils sicher. Das erklärt, warum Weibchen vieler Vogelarten kurz nach dem Start des Ablegen der Eier, aber immer noch bevor sie ihre Fertilität verlieren, jegliche Kopulation mit Männchen einstellen. Dadurch bekommen die Weibchen die beste aller Möglichkeiten, sie haben genügend Sperma von ihrem Partner, um die Eier zu befruchten, behalten jedoch die Möglichkeit, eine außereheliche Kopulation mit einem „besseren“ Männchen zu vollziehen.

Die Weibchen der Arten, die Kopulationen forcieren, würden von ihrem physiologischen Vorteil, zu bestimmen, welches Sperma sie befruchtet, einen Vorteil erhalten. Obwohl die Idee der kryptischen Weibchenauswahl vorteilhaft erscheint und es einige Möglichkeiten gäbe, gibt es wenig überzeugende Beweise und das Thema muss weiter näher erforscht werden.

 
Quelle: J.R. Krebs: Behavioural Ecology
 

07.04.2007
   Der Kongopfau (Afropavo congensis)
 


Der Kongopfau (Afropavo congensis) ist eine seltene Pfauenart und der einzigste Vertreter der Gattung Afropavo

Das Männchen ist ein bis 70 cm großer Vogel. Er hat dunkelblaue Federn mit einem metallischen Grün- und Violettschimmer.
Die nackte Nackenhaut ist tiefrot gefärbt, die Füße grau. Der schwarze Schwanz mit 14 Federn und der mit langen, weißen, abstehenden Haaren gekrönte Kopf schließen das Erscheinungsbild ab.
Das Weibchen ist meistens dunkelbraun mit einem schwarzen Abdomen und einem metallisch grünen Rücken.

Beide Geschlechter ähneln vom Aussehen Jungvögeln des asiatischen Pfaus. Bis diese Art als eigene Art anerkannt wurde, wurden diese Vögel als asiatische Pfauen klassifiziert.

Der Vogel lebt endemisch (existiert nur in diesem Lebensraum) in Flachland-Regenwäldern des Kongobeckens. Er ernährt sich hauptsächlich von Früschten und Invertebraten wie Insekten und Würmern.

Das Männchen zeigt eine zu allen Pfauen ähnliche Art der Balz, indem es seinen ganzen Schwanz entfaltet. Im Gegensatz dazu entfalten andere Pfaue nur die oberen Teile der Oberschwanzdecken.
Die Männchen sind monogam, aber die polygame Lebensweise kann mangels Forschungen nicht belegt werden.

Die Art ist ein Baumbrüter, das Weibchen legt 2-4 Eier in einer Höhe von etwa 5 Fuß über dem Boden in einem Nest ab und bebrütet diese.

Bisher weiß man nur sehr wenig üebr diese seltene Art, erstmals wurde diese Art im Jahre 1936 von Dr. James Chapin anhand von zwei ausgestopften Exemplaren im kongonesischen Museum erkannt.
Der Vogel hat Charakteristika sowohl vom Pfau als auch vom Perlhuhn, er könnte ein Bindeglied zwischen diesen beiden Familien sein.

Aufgrund des andauerenden Verlustes von Lebensraum, der kleinen Populationsgröße und der Jagd auf diese wird der Kongopfau zu bedrohten Arten auf der Roten Liste gezählt. Selbst in Zoos ist dieses Tier nur selten vertreten und er ist ein Bestandteil des EEP (Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes)



Foto links: © Steven Vansteenkiste/quantum-conservation.org
Foto rechts: © Stavenn/wikipedia.de

 

06.04.2007
   Ökosystem Salzwüste
 


Salzwüsten bilden sich im Inneren weiter abflussloser Becken in semiariden Gebieten, sind jedoch im Gegensatz zu Sabkhas von Hochgebieten umgeben. Manche Autoren beziehen jedoch die Inlandsabkhas mit ein, der Begriff Sabkha wird auf die Küstensabkhas beschränkt. Ob umgeben von Hochgebieten oder nicht, spielt dann keine Rolle. Von periodischen (wiederkehrenden) oder episodischen (vereinzelt auftretenden) Zuflüssen wird feinstes Material eingeschwemmt, das beim Verdunsten des Wassers als salzreicher Ton zurückbleibt .

Die jeweils nur geringen Ablagerungen addieren sich im Laufe der Zeit zu mächtigen Schichtpaketen. Zur Regenzeit sind die Salzwüsten mit flachen Salzseen bedeckt; während der Trockenzeit bilden sich auf der ebenen Flächen Trockenrisse.

Auch diese Salzwüsten sind als funktionierendes Ökosystem ein wichtiger Lebensraum für Tiere. Beispielsweise ist dabei hier der Onager zu nennen.

So selten wie die Onager sind, so selten wurden sie bisher auch gefilmt. In einer Salzwüste in Indien, im Little Rann of Kutch, haben etwa 3.000 dieser seltsamen Tiere Zuflucht gefunden.

In Kopf und Farbe ähneln sie äußerlich den Pferden, bei Ohren und Schwanz kommt der Esel zum Vorschein. Die Onager sind Halbesel. Die Einheimischen nennen sie Khur, aber unter dem griechischen Namen "Onagros" waren sie seit dem Mittelalter in Europa bekannt und bevölkerten Gebiete bis ins türkische Hügelland.

Für kurze Zeit im Jahr beherrschen kräftige Hengste die Stutengruppen und kämpfen erbittert gegen jeden Konkurrenten. Etwa 11 Monate später werden die hochbeinigen Fohlen geboren.

Wie von magischer Kraft gelenkt durchziehen die Onager eine steinhart getrocknete Ebene und streben zielstrebig höher gelegenen Gebieten zu, bevor der Monsun das Sandmeer in ein Wassermeer verwandelt. Selbst die Menschen richten sich nach den Halbeseln. Beginnen diese zu wandern, verlassen auch die Salzbauern das glutheiße Gebiet, wo sie mühsam das weiße Gold gewinnen. Man glaubt, die Onager wissen, wann ein Wechsel der Jahreszeiten bevorsteht.

Niemals gelang es, die Onager wie Pferde zu reiten oder als Arbeitstiere zu nutzen.

 

02.04.2007
   Der Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis)
 


Der auf der Deutschen Tiefsee-Expedition 1898-1899 entdeckte Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis) oder Tiefseevampir ist in verschiedener Hinsicht einer der interessanteren Vertreter der Kopffüßer.

Seine Systematik ist wie folgt:

Stamm: Weichtiere (Mollusca)
Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
Klasse: Tintenfische (Coleoidea)
Überordnung: Achtarmige Tintenfische (Vampyropoda)
Ordnung: Vampirtintenfischähnliche (Vampyromorpha)
Familie: Vampirtintenfische (Vampyroteuthidae)
Gattung: Vampirtintenfische (Vampyroteuthis)
Art: Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis)


Seinen Namen, der übersetzt etwa "der Vampirtintenfisch aus der Hölle" lautet, erhielt er aufgrund der Häute, die sich zwischen seinen Armen aufspannen und ihm das Aussehen eines in einen Umhang gehüllten Vampirs geben. Offensichtlich hat Vampyroteuthis acht dieser Arme und gehört somit in die Gruppe der Achtarmigen Tintenfische. Zwischen dem ersten und zweiten Armpaar von oben gezählt befinden sich zwei fadenförmige, zu Sinnesorganen umgewandelte Gebilde (Filamente), die in zwei Taschen seines Umhangs zurückgezogen werden können. Diese werden offensichtlich zur Jagd im Dunkeln eingesetzt. In den meisten Klassifizierungen wird der Vampirtintenfisch heute als Schwesterart der anderen achtarmigen Tintenfische (Kraken und Cirrentragende Kraken) angesehen.

Der Vampirtintenfisch gehört mit seinen 10 - 13 cm zu den kleineren Vertretern der Kopffüßer. Neben dem Umhang und den Sinnestentakeln besitzt das Tier noch ein paar weitere Besonderheiten. Dazu gehören die ausgeprägten Flossen an der Hinterseite des Mantels ebenso wie die zahlreichen Leuchtorgane auf seinem gesamten Körper, die mittels Biolumineszenz Licht erzeugen. Ein Paar dieser Leuchtorgane ist durch spezielle Lider verschließbar und kann eine Wolke aus Leuchtpartikeln ausstoßen, um potentielle Feinde zu verwirren. Diese Wolke bleibt bis zu zehn Minuten bestehen und leuchtet. Die Augen des Vampirtintenfisches sind, misst man sie relativ zum Körper, die größten im Tierreich und machen mit fast zwei cm Breite fast ein Sechstel der Körperlänge aus.

Vampyroteuthis lebt in der Tiefsee etwa zwischen 600 und 1000 Metern Tiefe, nach anderen Quellen bis zu 3000 Metern. Die optimale Wassertemperatur ist für ihre Verbreitung wichtig und sollte zwischen 2 und 6 °C liegen. Zeit seines Lebens hält er sich in einem Bereich auf, der sehr wenig Sauerstoff enthält (Sauerstoffsättigung teilweise weniger als 5%). Vampyroteuthis kann hier leben, da sein Blut einen anderen Blutfarbstoff (Hämocyanin) enthält, der sehr effektiv Sauerstoff aus dem Wasser holen kann, außerdem ist die Oberfläche seiner Kiemen sehr groß.

Normalerweise lässt sich der Vampirtintenfisch von der Strömung treiben und bewegt sich kaum aktiv. Die großen Flossen und die Häute zwischen den Armen ermöglichen dieses Treiben, das dem der Quallen ähnelt. Dadurch hat das Tier eine sehr niedrige Stoffwechselrate, die niedrigste unter den Kopffüßern überhaupt. Andererseits ist Vampyroteuthis auch zu schnellen Bewegungen fähig.

 

01.04.2007
   Die Kommunikation der Fingertiere
 


Als größter nachtaktiver Primat erreicht das Fingertier eine Kopf-Rumpf-Länge von 30 bis 40 Zentimetern, der Schwanz erreicht eine Länge von 45-55 Zentimetern. Das Gewicht beträgt 2,4 bis 2,8 Kilogramm.

Im langen, struppigen und graubraunen ventralen Fell fallen etliche Granenhaare mit weißen Spitzen auf, welche dem Fingertier ein typisches, igelähnliches Aussehen geben. Gesicht und dorsales Fell sind cremeweiß oder gräulich, die Augen sind von schwarzen Fellringen umgeben. Der Schwanz ist lang und buschig. Die Fingertiere verfügen an den Fußsohlen über warzenähnliche Gebilde.

Der Kopf ist massiv und rund. Mit ihren großen, gelb-orangenen Augen und den großen ledrigen Ohren können Fingertiere gute Sinnesleistungen aufbringen, um sich in der Nacht orientieren zu können.

Auffällig und namensgebend sind die besonders langen Mittelfinger. Bei diesem Primaten ist nicht der Daumen, sondern die Großzehe mit einer dem menschlichen Fingernagel ähnlichen Kralle opponierbar und kann hierdurch besser klettern.

Fingertiere sind nachtaktive, arboreal lebende Einzelgänger, welche große Gebiete durchstreifen und sich hauptsächlich kletternd-springend fortbewegen. Tags schlafen sie in Nestern auf Bäumen, pro Nacht werden jedoch teilweise mehrere Kilometer zurückgelegt. Weibchen markieren ihre bis zu 30 Hektar großen Reviere mit Exkrementen und akustischen Signalen, die Reviere der Männchen haben teilweise die vierfache Fläche der Reviere von Weibchen. Gelegentlich sammeln sich an ergiebigen Nahrungsquellen gelegentlich mehrere Exemplare, doch ansonsten sind sie ohne einen Fortpflanzungszusammenhang gegenüber Artgenossen intolerant. Die arborealen Tiere bewegen sich vorzugsweise von Baum zu Baum fort, bei Notwendigkeit gehen die Tiere jedoch auf den Boden und überqueren eine Lücke zwischen den zu besteigenden Bäumen.

Interessant ist die Nutzungsgemeinschaft der Nester von Fingertieren: Jedes Tier baut mehrmals die Nester aus Zweigen und Blättern in 10-15 Metern Höhe, und dies auf verschiedenen Bäumen. Die herumziehenden Tiere mit sich überlappenden Revieren überlassen hierbei für die Zeit, bei der sie nicht am Nest anwesend sind, das Nest an Artgenossen. Die Nester sind kompliziert konstruiert, der Bau eines Nestes nimmt wohl 24 Stunden in Anspruch. Sie sind kugelförmig und erreichen einen Durchmesser von 60 Zentimetern, sie bestehen hauptsächlich aus Blättern des „Baumes des Reisenden“ (Ravenala madagascariensis)

Fingertiere verfügen über ein breites Arsenal akustischer Signale, um sich mit Artgenossen zu verständigen. Es werden verschiedene Rufe mit verschiedener Bedeutung unterschieden:

„Zufriedenheitruf“: Dieser Ruf wird von Einzelindividuen ausgestoßen, welche bei der Fellpflege bzw. beim Fressen sind, einer für die Tiere angenehme Handlung. Dieser Ruf könnte als hoo-hoo interpretiert werden. Jungtiere stoßen diesen Ruf auch aus, wenn sie vom Muttertier gepflegt werden. Von der Bedeutung kann man diesen Ruf mit dem Schnurren der Katze vergleichen.

„Wimmern“: Dieser Ruf besteht aus 3-4 mit der Zeit abnehmenden Frequenzen und wird bei Bedarf oft hintereinander ausgestoßen. Verwendet wird er von Jungtieren, welche einen bereits besetzten Baum erklettern und nach Artgenossen durchsuchen und von bedrängten Weibchen, welche eine Paarung abbrechen wollen.

„Vorwandsruf“: Die Akustik dieses Geräusches kann variieren, bewegt sich aber meist im Bereich eines Schreies. Er kann warnende, unterwerfende oder widersprechende Bedeutung haben.

„Gewöhnlicher Schrei“: Dieser durchdringende Ruf wird meist zur Revierabgrenzung oder vor dem Beißen in einer Konfrontation mit Artgenossen als Drohgebärde eingesetzt.

„Jungtierruf“: Dieses schrille „cree“ wird von Jungtieren angewendet, um Schmerz, Verlust, Verlust der Kommunikation mit dem Muttertier oder zum Beginnen eines Kontaktes eingesetzt. Seltener wird er eingesetzt, um einen Kontakt abzubrechen.

„Hilferuf“: Dieser Ruf wird von Jungtieren gerufen, um auszudrücken, dass ein Umstand oder eine Handlung ihnen Umstände und Probleme bereitet. Meist liegt einem Grunzen ähnlicher Ruf im niederfrequenten Bereich.

„Elterntierruf“: In der Akustik ähnelt er dem Jungtierruf und dauert ca. 2-3 Sekunden. Er wird verwendet, um den Kontakt in der Nacht zu wahren und als Antwort auf die Rufe der Jungtiere. Manchmal wird er als Warnruf verwendet.

„Milder Warnruf“: Diesen Ruf könnte man von der Akustik mit dem fiktiven Wort fuff vergleichen. Er wird bei der Warnung vor geringen Gefahren eingesetzt.

„Starker Warnruf“: Man könnte den Laut dieses Rufes mit dem Wortlaut der Buchstabenfolge rhon-tsit vergleichen. Er ist sehr laut und dient der Warnung vor großen Gefahren.

„Fluchtruf“: Dieser wie hai-hai klingender Ruf wird bei der Flucht ausgestoßen.

Fingertiere sind auch in der Lage, anhand von Pheromonen und Geruchssignalen ihrer Artgenossen Geschlecht, Alter und andere Daten des Geruchsübermittlers festzustellen. Es gibt für die Fingertiere verschiedene Möglichkeiten, über Gerüche ihren Artgenossen bestimmte Sachen mitzuteilen:


„Backenmarkierung“: Hierbei wird Substrat im Mund mit dem Speichel verischt, worauf sich eine riechende, klebrige Masse bildet, welche an Baumstämme geklebt wird. Diese Markierungen dienen hauptsächlich der Eingrenzung des Reviers.

„Genitalienmarkierung“: Bei Weibchen wird die Vulva, bei Männchen das Skrotum und bei beiden Geschlechtern das Perineum auf dem Boden oder an einem Gegenstand bei langsamen Kriechen gerieben. Die so 20-50 Zentimeter langen Markierungen werden oft in Verbindung mit der Backenmarkierung zum gleichen Zweck eingesetzt.

„Urinspur“: Fingertiere hinterlassen auf Substrat zur Reviermarkierung auch etwa 50 Zentimeter lange Urinstreifen.

Sehr viel weniger formenreich sind die haptischen Signale, am bedeutendsten ist das gegenseitige Putzen. Dieses kann bei vielen Primaten beobachtet werden, im eingeschränkten Maße auch beim Fingertier. Ab einem Jungtieralter von 11 Wochen betreiben Muttertier und Junges gemeinsame Körperpflege und reinigen sich von Parasiten. Dies stärkt die Bindungen der Tiere.

Das Drohverhalten von Fingertieren besteht aus einem schwerfälligen Gang, bei dem die Füße stark übertrieben angehoben werden. Begleitet wird diese Einleitung zum Angriff von verschiedenen Lauten.

 

29.03.2007
   Sterilität der Arbeiter bei Graumullen
 

Die Graumullkönigin verfügt entgegen einer weit verbreiteten Information über keinen Mechanismus (Verhaltensprogramm oder Pheromon), der die Fortpflanzung bei ihren Töchtern unterdrückt.

Denn die Familienmitglieder identifizieren sich nicht an einem gemeinsamen Familienduft, sondern individuell. Sie behalten diese Individualmerkmale zudem 2-3 Wochen lang im Gedächtnis, wobei nicht sicher ist, ob die Identifikation ausschließlich über den Geruch erfolgt.

Sexuelle Attraktivität wird bei Graumullen nur bei nichtverwandten gegengeschlechtliche Tieren hervorgerufen, verwandte Tiere sind nicht attraktiv.
Also kann eine neue Familie nur entstehen, falls zwei fremde (nichtverwandte) Tiere verschiedenen Geschlechts aufeinander treffen und sich fortpflanzen. Diese Schlußfolgerung muss aber noch durch weitere Experimente überprüft werden.

Graumullweibchen gebären im Jahr im Durchschnitt 6 Jungtiere, Nacktmullweibchen hingegen 60 Jungtiere. Es ist denkbar, dass in einer großen Kolonie der Individualerkennung Grenzen gesetzt sind. Aus diesem Grund ist Inzesthemmung kein geeigneter Mechanismus, der die Sterilität der Arbeiterinnen und Arbeiter bewirken könnte.

 
Quelle: Franck: Verhaltensbiologie
 

27.03.2007
   Der Kiwi
 


Die Kiwis (Apterygidae) oder Schnepfenstrauße sind flugunfähige, nachtaktive Vögel in den Wäldern Neuseelands. Die Familie gehört zur Ordnung der Laufvögel (Struthioniformes) und besteht rezent nur aus der Gattung Apteryx mit drei Arten und mehreren Unterarten. In der Ordnung der Laufvögel stellen Kiwis die mit Abstand kleinsten Vertreter dar.

Die klassische Sichtweise der externen Systematik ist, dass die nächsten Verwandten der Kiwis die Moa sein müssten. Begründet war diese Ansicht lediglich dadurch, dass diese beiden Laufvogelfamilien in Neuseeland verbreitet sind. Jedoch ist es wahrscheinlich, dass sie sich vor sehr langer Zeit voneinander getrennt haben, als Neuseeland noch ein Teil Gondwanalands war, und dass es eher ein Zufall ist, dass beide Taxa nur in Neuseeland bis ins Holozän überlebt haben.
Neue DNA-Analysen kommen zu gegenteiligen Ergebnissen. Eine Verwandtschaft der Moa mit den Kiwis ist demnach nicht gegeben. Sowohl Haddrath & Baker 2001 als auch Cooper 1997 kamen zu dem Schluss, dass die Kiwis die Schwestergruppe eines gemeinsamen Taxons von Kasuaren und Emus seien, und dass diese drei Taxa gemeinsam wiederum die Schwestergruppe der Strauße seien. Gänzlich unumstritten ist jedoch auch diese These noch nicht.

Drei Arten in einer Gattung werden zu den Kiwis gerechnet:
•Streifenkiwi, Apteryx australis
•Haastkiwi, Apteryx haastii
•Zwergkiwi, Apteryx owenii
Der Streifenkiwi wird zudem in drei Unterarten unterteilt, die neuerdings manchmal den Status eigenständiger Arten erhalten.

Kiwis sind nicht nur die kleinsten aller Laufvögel, sondern auch in ihrer Morphologie vollkommen von anderen Familien abweichend. Sie sind 35 bis 65 Zentimeter lang, bis 35 Zentimeter hoch und ein bis fünf Kilogramm schwer. Weibchen sind im Schnitt etwas größer und 10 bis 20 % schwerer.

Sie tragen ein braunes Gefieder, das fast wie eine Behaarung wirkt. Den Kiwis fehlt wie allen Laufvögeln der Brustbeinkamm, an dem normalerweise die Flugmuskulatur ansetzt. So haben die Kiwis zwar noch kleine, vier bis fünf Zentimeter lange Flügel, sind aber nicht in der Lage, damit zu fliegen. Die Flügel tragen an den Enden kleine Krallen und bleiben unter dem Gefieder verborgen. Die Krallen haben keine erkennbare Funktion und sind offenbar Rudimente, die man gleichermaßen bei manchen Emus und Kasuaren findet.

Kiwis besitzen keinen Schwanz, was dazu beiträgt, dass sie eine ungewöhnliche ovale Körperform haben. Zu diesem Erscheinungsbild tragen auch die weit nach hinten verlagerten Beine bei. Diese kräftigen Beine tragen, wie bei den meisten Vögeln, vier Zehen; mit ihnen vermögen Kiwis gut und schnell zu laufen. Längere Fluchtdistanzen erübrigen sich aber meist in ihrem unübersichtlichen Lebensraum.

Der Kopf der Kiwis ist relativ klein, der Schnabel sehr lang und nach unten gebogen. Beim Streifenkiwi wird der Schnabel über 20 cm lang. Er ist bei Weibchen um gut 30 % größer als bei Männchen. Der Oberschnabel ist etwas länger als der Unterschnabel. Um im Stand das Gleichgewicht zu halten, stützen Kiwis sich oft auf ihren Schnabel. Kiwis können nicht besonders gut sehen, dafür aber um so besser hören und – eine Besonderheit unter Vögeln – sehr gut riechen. Die Nasenöffnungen liegen an der Spitze und nicht wie bei den meisten Vögel an der Basis des Schnabels. An der Schnabelbasis tragen Kiwis „Borsten“, die an die Vibrissen (Schnurrbarthaare) von Säugetieren erinnern, in Wirklichkeit aber modifizierte Federn sind.
Eine weitere Besonderheit ist die Körpertemperatur, die mit 38 °C weit unter der der meisten Vögel (42°C) liegt und eher der eines Säugetiers gleicht.

Kiwis leben auf den drei großen Inseln Neuseelands: Nordinsel, Südinsel und Stewart Island. Es gibt sie außerdem auf zahlreichen kleinen Inseln vor den Küsten Neuseelands; auf den meisten von diesen sind sie aber mit Sicherheit, auf den übrigen mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Menschen eingeführt worden.
Das ursprüngliche Habitat der Kiwis waren die Wälder, die mit Ausnahme der Hochgebirge Neuseeland vor der Ankunft polynesischer Siedler nahezu lückenlos bedeckten. Heute sind sie auch in den künstlich entstandenen, strauchbestandenen offenen Geländen heimisch. Sie gehören außerdem zu den ganz wenigen einheimischen Tieren, die sich in den von den Europäern angepflanzten Nadelbaummonokulturen ansiedeln konnten. Allerdings sind Kiwis trotz ihrer Anpassungsfähigkeit durch den Jagddruck durch eingeschleppte Raubtiere aus zahlreichen Regionen verschwunden und nur noch lückenhaft über Neuseeland verbreitet.
Im Gebirge gibt es Kiwis bis in Höhen von 1200 m. Alle Kiwis brauchen Habitate mit hohem Grad an Feuchtigkeit und lockerem, humusreichem Boden.
Kiwis sind ausschließlich nachtaktiv. Am Tag verbergen sie sich in ihren Höhlen und Unterschlupfen, die sie vor Sonnenuntergang nicht verlassen. Kommen sie dann hervor, bewegen sie sich bei völliger Dunkelheit im Schutz von Unterholz und Gesträuch. Dabei orientieren sie sich, für Vögel eher ungewöhnlich, mit ihrem guten Geruchssinn und ihrem Gehör.
Ihr ganzes Leben lang bewohnen die Kiwis ein Revier, das sie mit dem Partner teilen, mit dem sie in Monogamie zusammenleben. Das Revier wird von beiden Geschlechtern verteidigt und hat eine von Art zu Art stark schwankende Größe: Zwergkiwis bewachen nur 2 bis 3 Hektar, während das Revier eines Streifenkiwi-Paars 5 bis 50 Hektar umfasst. Während die Reviergrenzen in der Fortpflanzungszeit aggressiv verteidigt wird, wird zu anderen Zeiten des Jahres die Anwesenheit anderer Kiwis im Revier bis zu einem gewissen Grad toleriert. Geht ein Revier durch Rodung verloren, bleibt ein Kiwi-Paar oft noch mehrere Wochen dort, bevor es sich nach einer neuen Umgebung umsieht. Die Reviergrenzen werden mit Kot markiert, wiederum ein eigentlich säugetiertypisches Verhalten, das man unter Vögeln sonst so gut wie nicht findet.
Innerhalb des Reviers legen Kiwis zahlreiche Baue an, die wechselnd genutzt werden. Sie dienen zum Schlafen und in der Fortpflanzungszeit auch als Bruthöhle. Der Eingang ist bis 15 cm breit und meistens unter dichter Vegetation oder zwischen Baumwurzeln verborgen. Ein bis zu 2 m langer Tunnel führt von hier bis zur Höhle, die groß genug ist, um Platz für zwei Kiwis zu bieten.
Einzelgängerische Kiwis sind entweder recht junge Vögel oder solche, die ihren Partner verloren haben.
Kiwis sind zwar Allesfresser, die sich von allen tierischen und pflanzlichen Materialien ernähren, in der Hauptsache stochern sie aber im Erdreich nach wirbellosen Tieren, vor allem Regenwürmern, Tausendfüßern und Insektenlarven. Die Bewegungen der Tiere im Boden können von Kiwis wahrgenommen werden; sie versenken dann ihren Schnabel im Erdreich und ertasten die Beute. Hierdurch hinterlassen Kiwis in ihrem Revier charakteristische Schnabellöcher, die bis zu 15 cm tief sind und die Anwesenheit eines Kiwis sicher verraten.
Nebenbei werden auch Früchte und Insekten vom Boden aufgelesen.
Als monogame Vögel suchen Kiwis erst einen neuen Partner, wenn der alte gestorben ist. Man hat Kiwi-Paare beobachtet, die über zehn Jahre zusammen verbracht haben. Alljährlich zwischen August und Oktober beginnt für die Kiwi-Paare die Fortpflanzungszeit. Sie jagen dann einander, vollführen Sprünge und sind äußerst ruffreudig.
Zum Brüten wird nur einer der Baue im Revier genutzt, und zwar stets einer, der bereits mehrere Monate oder gar Jahre alt ist, so dass der Eingang mit planzlicher Vegetation zuwachsen konnte. Das Männchen bereitet hierin das Nest vor, indem es Moose und Gräser sammelt und damit die Nisthöhle auspolstert.
Das Weibchen legt dann ein oder zwei, selten drei Eier. Das Ei hat eine gewaltige Größe. Beim Streifenkiwi wird es 13 × 8 cm groß und hat ein Gewicht von 500 g. Dies sind im Verhältnis zur Körpergröße ihrer Erzeuger die größten Vogeleier der Welt - sie erreichen bis zu 30% des Körpergewichts des Weibchens. Beim Streifenkiwi und beim Zwergkiwi brütet anschließend nur das Männchen, beim Haastkiwi beide Geschlechter abwechselnd. Wenn das Männchen allein brütet, schläft das Weibchen in einem anderen Bau, der in der Nähe gelegen ist. Mit 63 bis 92 Tagen dauert die Brutzeit ungewöhnlich lange. Das brütende Männchen verlässt den Bau jede Nacht, um zu fressen; die Dauer der Aktivität wird während der Brut kaum eingeschränkt. Beim Haastkiwi übernimmt das Weibchen in diesen Pausen das Brutgeschäft. Die Eier sind sehr gefährdet, vor allem Wekarallen sind auf Kiwi-Eier aus.
Die schlüpfenden Kiwis sehen bereits aus wie kleine Ausgaben der Eltern. Als Nestflüchter wandern sie fünf oder sechs Tage nach dem Schlüpfen bereits umher. Während sie am Tage noch vom Männchen behütet werden, verlassen sie nachts das Nest allein und werden kaum von den Eltern bewacht. Den in Neuseeland eingeschleppten Katzen, Hunden und Wieseln fallen daher sehr häufig junge Kiwis zum Opfer.
Im Alter von 18 Monaten erreichen Kiwis ihre volle Größe und mit zwei Jahren sind sie geschlechtsreif. Ihre Lebensdauer kann über zwanzig Jahre betragen. Im Zoo lebte ein Streifenkiwi sogar 35 Jahre.

Wegen ihrer nächtlichen und verborgenen Lebensweise sind die Lautgebungen oft das einzige, was Menschen von Kiwis mitbekommen. Kiwis rufen das ganze Jahr und die ganze Nacht hindurch, außer bei starkem Wind und in sehr hellen Vollmondnächten.
Bei den Rufen handelt es sich um schrille Pfiffe, die bei günstigen Bedingungen bis zu 5 km weit tragen. Während Kiwis diese ausstoßen, strecken sie den Hals und den Schnabel empor. Männchen rufen öfter als Weibchen, und ihre Pfiffe klingen in Tonhöhe und Tonlänge anders.
Die Rufe scheinen hauptsächlich in der Revierverteidigung eine Rolle zu spielen. Sie werden oft von Kiwis der benachbarten Reviere beantwortet.

 

23.03.2007
   Magenbrüterfrösche - Evolutionswiderlegung?
 


Die Magenbrüterfrösche (Rheobatrachus) sind eine nur aus zwei Arten bestehende Gattung der Froschlurche aus dem Osten Australiens.
Die Tiere zeichnen sich dadurch aus, dass bei ihnen im Gegensatz zu allen anderen bekannten Landwirbeltieren die präjuvenilen Entwicklungsstadien – hier die Kaulquappen – im Magen der Mutter heranwachsen.

Der Südliche Magenbrüterfrosch (Rheobatrachus silus Liem, 1973) wurde im Jahr 1972 entdeckt und 1973 zuerst wissenschaftlich beschrieben. Allerdings gibt es eine Literaturquelle, die vermuten lässt, dass bereits 1914 jemand auf die Art gestoßen war. Rh. silus lebte im Gebirgszug Blackall-Conondale Ranges in Südost-Queensland, nördlich der Stadt Brisbane. Dort bewohnte er auf einer Höhenstufe zwischen 400 und 800 m NN eine Regenwaldregion auf einem Areal von weniger als 1000 Quadratkilometern. Je nach Quelle gilt die Art seit 1979 oder 1982 in freier Natur als verschollen; in Gefangenschaft verstarb das letzte Exemplar 1984.

Der Nördliche Magenbrüterfrosch (Rheobatrachus vitellinus Mahony, Tyler & Davis, 1984) wurde erst im Jahr 1984 entdeckt. Er lebte in den Clarke Range-Bergen im mittleren Nordosten Queenslands. Auch diese Art war nur auf einem kleinen Areal von weniger als 500 Quadratkilometern in einer Höhe zwischen 400 und 1000 m NN verbreitet. Bereits ein Jahr nach ihrer Entdeckung konnte sie nie wieder gefunden werden und gilt daher inzwischen ebenfalls als ausgestorben.

Magenbrüterfrösche sind kleine, bräunlich gefärbte, etwas unkenähnlich aussehende Froschlurche mit recht eng beieinanderliegenden, hervorstehenden Augen und einer kurzen, stumpfen Schnauze. Die Männchen der Art Rheobatrachus silus werden 33 bis 41 Millimeter lang, die Weibchen 44 bis 54 Millimeter. Diese Spezies lebt überwiegend aquatil.

Irreduzible Komplexität ist keine Eigenschaft, die nur auf der Ebene der Biochemie oder bei komplizierten Organen beobachtbar ist. Viele biologische Systeme weisen diese Eigenschaft auf und widerlegen die Evolutionstheorie nach Ansicht einiger Personen in jedem einzelnen Fall. Die außergewöhnliche Art der Fortpflanzung des Rheobatrachus Silus, einer australischen Froschart, ist ein Beispiel dafür.
Die Weibchen dieser Froschart brüten ihrer jungen im Magen aus und gebären sie durch den Mund. Doch damit dies geschehen kann, muss eine Reihe von Anpassungen gleichzeitig vorgenommen werden, wobei kein Fehler unterlaufen darf: Die Eistruktur muss vorbereitet werden, die Magensäure muss neutralisiert werden, und das Weibchen muss kräftig genug sein, wochenlang ohne Nahrung zu leben.

Ein vollkommen fehlerloses System wurde geschaffen, dass dies ermöglicht. Zunächst einmal nimmt das Weibchen in diesen sechs Wochen keinerlei Nahrung oder Flüssigkeit mehr zu sich, so dass der Magen ausschließlich den Kaulquappen zur Verfügung steht. Eine andere Gefahr besteht in der normalerweise vorhandenen Absonderung von Magensäure und Pepsin innerhalb des Magens. Diese würden dem Nachwuchs eigentlich schnell den Garaus machen. Doch dies wird durch eine besondere Maßnahme verhindert. Die Verdauungsflüssigkeiten im Magen der Mutter werden durch das Hormon Prostaglandin E2 neutralisiert, dass zunächst von den Eiern und später von den Kaulquappen selbst produziert wird. So kann der Nachwuchs gesund heranwachsen, obwohl er in einem Säurebad schwimmt.
Wie ernähren sich die Kaulquappen nun in dem leeren Magen? Auch daran wurde gedacht. Die Eier dieser Froschart sind erheblich größer als die anderer Arten, und sie enthalten einen sehr proteinreichen Eidotter, der ausreicht, die Kaulquappen sechs Wochen lang zu ernähren. Auch der Zeitpunkt der Geburt ist perfekt abgestimmt. Die Speiseröhre des weiblichen Frosches erweitert sich während der Geburt genau wie die Vagina der Säugetiere. Danach kehren Speiseröhre und Magen in ihren Normalzustand zurück und das Weibchen beginnt wieder mit der Nahrungsaufnahme.

Das wundersame Fortpflanzungssystem des Rheobatrachus Silus widerlegt daher nach Ansicht einiger Personen die Evolutionstheorie, da das gesamte System irreduzibel komplex ist. Jedes Stadium muss vollständig abgeschlossen werden, damit der Frosch überleben kann. Die Mutter muss die Eier verschlucken und darf sechs Wochen lang nichts fressen oder trinken. Die Eier müssen das entsprechende Hormon absondern, das die Magensäure neutralisiert. Auch die Zugabe des besonders proteinreichen Eidotters ist notwendig. Die Weitung der Speiseröhre des Weibchens darf nicht zu einem beliebigen Zeitpunkt erfolgen. Würden alle diese Vorgänge nicht in genau der richtigen Reihenfolge ablaufen, würden die Froschbabys nicht überleben und die Art würde aussterben.

Aus diesen Gründen kann dieses System sich nach Ansicht einiger Personen nicht graduell entwickelt haben, wie in der Evolutionstheorie behauptet wird. Diese Art hat mit dem vollständigen, funktionsfähigen System existiert, seit das erste Exemplar in die Welt kam. Anders ausgedrückt, sie ist erschaffen worden.

 
Quelle: http://www.darwinismus.com/irreduzible_komplexitat_09.php
 

19.03.2007
   Erdmännchen sind gute Lehrer
 


Menschen müssen nicht die einzigen Lebewesen sein, die ihren Kindern aktiv etwas beibringen können. In der Zeitschrift Science wurde ein Bericht veröffentlicht, nach dem wilde Erdmännchen ähnliche Lernfähigkeiten haben.
Bisher wurde bei Tieren wenig Beweis für eine Lehrtätigkeit gefunden, obwohl es viele Studien, vor allem bei Katzen und Geparden, gegeben hat.

Der erste gültige Beweis für eine Lehrtätigkeit bei Tieren wurde Anfang 2006 bei einer Art der Britischen Ameise gefunden. Im Juli 2006 zeigte es sich, dass Erdmännchen auch Anzeichen von Lerntätigkeit aufweisen. Der Hauptgrund, warum die Lernfähigkeit bei Erdmännchen evolviert ist, ist, dass die jungen Tiere selten eigenständig ausreichend Nahrung finden.
Erdmännchen ernähren sich zwar vor allem von einfach zu findenden und zu fressenden Insektenlarven und Puppen. Allerdings ist es für Jungtiere essentiell, mit gefährlicher Beute wie Skorpionen oder Schlangen umgehen zu können. Denn diese machen einen signifikanten Anteil ihrer Nahrung mit hohen Nährstoffwerten aus.

Alex Thornton und seine Kollegin Katherine McAuliffe zeigten, dass ältere Erdmännchen, die als “Helfer” agieren, den Jungtieren durch direkte Mechanismen beizubringen, wie man mit der Beute umgeht. Dieser Lernvorgang beinhaltet das Hinschubsen der Beute zu den Jungtieren als Anregung oder die Entfernung von dem Stacheln der Skorpione, bevor die Jungtiere diese fressen dürfen.
Mit zunehmendem Alter der Jungtiere haben die Erdmännchen ihre Lerntätigkeit verändert, da diese immer erfahrener im Umgang mit gefährlicher Beute wurden. Erdmännchen stecken also viel Aufwand und Zeit in die Erziehung von Jungtieren, obwohl dieses Verhalten für sie keinen unmittelbaren Vorteil hat. Dieses Verhalten kann man also dem Altruismus zuordnen.
Mit zunehmender Übung verbessern sich die Fähigkeiten der Jungtiere, aber wenn diese “Helfer” nicht anwesend wären, gäbe es kaum Möglichkeiten für sie, diese kritischen Fähigkeiten einzuüben und daher ist diese Lehre sehr wichtig für die Beschleunigung der Jungtierentwicklung.

Dieses Lernverhalten bei wilden Erdmännchen zeigt, dass Lernvorgänge bei Tieren nicht komplex oder auf Tiere mit großem Hirnvolumen beschränkt sein muss. Diese Studie lässt also die Tür zu weiteren Studien der gleichen Art offen.
Ein besseres Verständnis der Evolution des Lehrens ist essentiell, wenn wir weitere Erkenntnisse der menschlichen Kulturevolution herausfinden wollen. Auch für die Untersuchung der Verhältnisse zwischen den unterschiedlichen Kulturen unseres Planeten und die Erforschung des kulturellen Verhalten bei Tieren ist diese Erkenntnis notwendig.

 
Quelle: http://www.cosmosmagazine.com/node/420
 

Seiten (10): << <  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10   > >>